Vater unser – Litanei (ök.) April 2010
V / A Unser Vater im Himmel Vater aller, die dich suchen und nicht suchen Vater aller, die auf dich zugehen und sich von dir abwenden Vater aller, die dich ansprechen und vor dir stumm bleiben Vater aller, die mir sympathisch sind oder auch nicht Vater jedes Menschen; und jeden liebst du mit unaussprechlicher Liebe Vater, der uns alle zur großen Familie macht ... und auf Erden, wo wir geboren werden und sterben ... und auf Erden, wo wir lachen und weinen, lieben und hassen ... und auf Erden, wo wir dich so oft vergessen
V/A geheiligt werde dein Name im Blühen der Bäume und im satten Grün der Wiesen im freundlichen Lächeln eines Menschen durch unsere tägliche Arbeit im Beruf und Haushalt durch die Art, wie wir beten und Gottesdienst feiern durch die Art, wie wir unseren Glauben leben und über dich reden wenn wir uns um ein gutes Klima daheim und am Arbeitsplatz mühen wenn wir segnen, statt zu fluchen, loben statt zu schimpfen wenn wir dummes Gerede über deine Kirche zurecht rücken
V/A Dein Reich komme in unsere Welt der Supermärkte und Computer in das weltweite Netz der Informationen und Nachrichten in unsere Häuser, Familien, Schulen und Kindergärten auf unsere Straßen und an unsere Arbeitsplätze in unsere Begegnungen und Gespräche wo Kummer und Sorgen, Angst und Not zuhause sind wo Menschen gefangen und geschändet werden wo Menschen in ihren engen Denkbahnen gefangen sind
V/A Dein Wille geschehe wenn wir uns zwischen mehreren Möglichkeiten entscheiden müssen wenn es uns schwer fällt, eine Situation anzunehmen wenn plötzlich alles anders kommt als erwartet wenn wir Angst haben, zu sagen oder zu tun, was richtig ist wenn wir gar nicht wissen, was du uns sagen willst wenn unser krankhafter Eigenwille uns lähmt wenn Andere uns ihren Willen aufzwingen wollen in unserer Wirtschaftswelt und Wegwerfwelt in unserer globalisierten Welt des Geldes
V/A Unser tägliches Brot gib uns heute Viele haben nicht das Notwendigste zum Leben Bewahre uns vor Hungersnot und Verarmung Wir leben nicht nur vom Brot, sondern von jedem guten Wort Wir leben von deinem Wort und deinen Weisungen Gib uns Hunger nach dem eucharistischen Brot des Lebens Wir brauchen Anerkennung und Ermutigung Wir brauchen den täglichen Frieden und ein gutes Arbeitsklima Wir brauchen Geborgenheit und Freiheit Wir brauchen den Mut, unseren Wohlstand weltweit zu teilen
V/A Vergib uns unsere Schuld Unsere Undankbarkeit und Unzufriedenheit Unsere Habsucht und Unersättlichkeit Unsere negativen Gedanken und Gefühle Unser schlechtes und unnötiges Reden über Andere Die anhaltende Spaltung, das Unversöhntsein der Christen Den Missbrauch an Kindern und Jugendlichen – auch in unseren Kirchen Wenn wir uns entziehen wollen, wo wir gebraucht werden. Wenn wir herrschen wollen, statt zu dienen. Wenn unser Versagen uns lähmt. Wenn wir vergessen haben, anstatt uns zu erinnern.
V/A Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern Vergib uns die Enttäuschungen, die wir Anderen bereiten Vergib uns den Schaden, den wir Anderen zufügen Vergib uns die Verletzungen, die wir Anderen zufügen Vergib uns die Zumutungen, mit denen wir Andere überfordern Vergib uns die Entgleisungen, mit denen wir andere vor den Kopf stoßen Vergib uns die Berechnung, mit der wir Andere über den Tisch ziehen Vergib uns die Verleumdung, die den guten Ruf der Anderen schädigt Vergib uns die Vorurteile, die uns blind machen
V/A Führe uns nicht in Versuchung mehr sein oder gelten zu wollen als der Andere dem Neid und der Eifersucht Raum zu geben die Treue zu unserem Jawort aufzuweichen über Andere herzuziehen oder Ungeprüftes nachzusagen uns zu überschätzen und das Maß zu verlieren in Selbstmitleid, Trübsinn und Resignation zu verfallen unsere gläubige Zuversicht wegzuwerfen
V/A Erlöse uns von dem Bösen Lass uns nicht in die Fallstricke des Bösen geraten Hilf uns mit Entschiedenheit das Gute zu tun Entlarve den Widersinn ungerechter Strukturen Befreie uns aus Süchten und unguten Abhängigkeiten Durchbreche die Kettenreaktionen von Gewalt und Terror Lass uns leben in Frieden und Sicherheit Führe uns von einer Kultur des Todes zu einer Zivilisation der Liebe
V/A Dein ist das Reich Nicht wir werden das Paradies auf Erden schaffen Nicht unsere eigene Ehre wollen wir suchen Nicht uns gehört die Erde Nicht wir machen die Gesetze der Natur Nicht in unserer Hand liegt unser Leben Nicht wir haben über Leben und Tod zu bestimmen Wir sind eingeladen zum ewigen Fest bei dir
V/A Dein ist die Kraft Deine Kraft kommt in unserer Schwachheit zur Vollendung Deine Kraft geht alle unsere Wege mit Deine scheinbare Ohnmacht ist stärker als wir Deine Kraft sprengt Grenzen und Mauern Gebete haben eine größere Wirkung als Raketen Im Kreuz deines Sohnes ist der Sieg über den Tod Du trägst uns über alle Abgründe hinweg Dein Geist kann Großes durch uns wirken
V/A Dein ist die Herrlichkeit Sie übersteigt alle Vorstellungen und Erwartungen Die Liebe wird am Ende alles überdauern Wir werden über alle Maßen glücklich sein Wir werden schauen und staunen, lieben und loben Mit all deinen Geschöpfen beten wir dich an, Vater.
Pfr. Josef Treutlein
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