Beichte am Wallfahrtsort

Beichte am Wallfahrtsort

 Anregungen von Pfarrer Josef Treutlein, Würzburg

 

 

 Gütiger Gott,
ich habe gesündigt, aber ich will mir wieder Mühe geben, das Gute zu tun. Ich kenne meine Schwäche, aber ich vertraue auf deine Hilfe. Du sollst das Ziel sein, das ich immer vor Augen habe. Lass mich dich nicht vergessen, lass mich dich suchen und finden. (Gotteslob 59,7)

Vater,
ich habe gesündigt vor dir; ich bin nicht wert, dein Kind zu heißen. Du hast mich nach deinem Bild geschaffen und mich zu Großem berufen, und ich habe gesündigt, habe so klein gedacht, geredet und gehandelt durch meine Schuld. - Ich blicke aber auf zu dir und deinem Sohn Jesus Christus. Er ist mein Herr. Auch für mich hat er am Kreuz sein Blut vergossen. Vergib mir meine Schuld, meine Sünden, meine Fehler. Du bist die ewige Liebe, nimm mich wieder an dein Herz und halte mich fest in deiner Gnade. Ich will dein sein und dein bleiben. Mach mich frei und führ mich zur herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. - Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen. (Gotteslob 66,9)

Die vorstehenden Gebete sprechen nur allgemein vom Vorsatz. Selbstverständlich muss ich entsprechend meiner persönlichen Lebensverhältnisse überlegen, was ich mir im Einzelnen vornehmen kann.

Ich bekenne meine Sünden und empfange Gottes Vergebung (Beichte und Lossprechung)

Ich betrete den Beichtstuhl oder das Beichtzimmer. Der Priester spricht einen kurzen Gruß und evtl. ein Wort aus der Hl. Schrift.
Dann folgt das Bekenntnis der Sünden und das Beichtgespräch. Hilfreich ist es, am Anfang ein paar Angaben zur persönlichen Situation zu geben (Alter, Lebenssituation, besonderer Anlass, Hauptproblem, zeitlicher Abstand zur letzten Beichte).
Mein Bekenntnis schließe ich am besten mit einem kurzen Reuegebet, z. B. „Mein Jesus, Barmherzigkeit“, oder „Ich bereue, dass ich Böses getan und Gutes unterlassen habe. Erbarme dich meiner, o Herr“.
Oder: „Gott sei mir Sünder(in) gnädig.“

Der Priester geht auf mich ein, macht mir Mut, beantwortet eventuelle Fragen, gibt mir eine „Buße“ auf und erteilt mir die Lossprechung im Zeichen des Kreuzes.
Dann spricht er das Entlassungswort.

Ich danke Gott und setze ein kleines Zeichen meines guten Willens („Buße“).

Gebet zur Danksagung

Ich danke dir, Herr, für die Vergebung, die ich erfahren habe, und für den Mut zu einem neuen Beginn.
Ich danke auch für die Versöhnung mit der Kirche, der ich mit meiner Schuld Schaden zugefügt habe.
Ich will mir Mühe geben, nicht nur mit Worten dankbar zu sein. Auch ich will vergeben, wenn Andere mir schaden oder weh tun.
Ich weiß, es wird nicht alles ganz anders werden in meinem Leben. Aber ich vertraue darauf, dass du mich nicht verwirfst und dass die Kirche mir immer wieder deinen Frieden schenkt, auch wenn nicht alles gelingt, was ich mir vornehme.
Ich danke dir, Herr dass ich solches Vertrauen haben darf, weil du unsere Schuld getragen hast, und weil dein Erbarmen fortlebt in deiner Kirche. (Gotteslob 60,5)

Ein Mensch, der ernsthaft auf Wallfahrt geht, bleibt nicht der Alte. Manches wird ihm klarer. Er verspürt die Sehnsucht, mehr aus seinem Leben zu machen, es mehr aus dem Glauben und aus der Liebe zu gestalten. Wallfahrtsorte waren schon immer besondere Orte der Versöhnung. Wer dorthin pilgert, weiß, dass zu einer guten Wallfahrt auch die Besinnung, die Umkehr und das Bußsakra-ment gehören. Die Seelsorger am Wallfahrtsort sind darauf eingestellt und bieten gern Gelegenheit zur Aussprache und zur Beichte an.

Ein paar Hinweise zur Vorbereitung und Gestaltung der Beichte (weitere Texte finden sich im Gotteslob).

Ich stelle mich ins Licht Gottes

Das Zusammenleben mit meinen Nächsten in der Familie, im Freundes- und Bekanntenkreis, in der Schule, am Arbeitsplatz, in der kirchlichen und politischen Gemeinde lässt ich nüchtern und klar erkennen: „Ich bin nicht immer in Ordnung; ich bin nicht immer gut.“

Weil das so ist, und weil ich immer wieder vor Gott und den Menschen schuldig werde, brauche ich die Erfahrung, wieder angenommen und geliebt zu sein. Ich brauche Verzeihung, Versöhnung mit Gott, mit den Menschen, mit mir und meinem Leben.
Ich sehne mich nach geheilten Beziehungen. Ich möchte, dass Wunden und Verletzungen heilen. Ich will frei und unbelastet leben.
Deshalb rufe ich zu Gott:
„Führe mich heraus aus dem Kerker, damit ich deinen Namen preise.“ (Ps 142,,8)

Führe mich heraus aus dem Kerker meiner Gottferne, meiner Angst und meines Misstrauens, meiner Ich-Bezogenheit, meines Eigensinns und meiner Oberflächlichkeit, meiner Blindheit und meiner Sprachlosigkeit. Schenke mir deinen Geist, damit ich mich selbst erkennen und neu anfangen kann.

Ich besinne mich auf mein Leben

(Ein Vorschlag zur persönlichen Gewissenserforschung nach den 10 Geboten Gottes)

1. Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben. Gott möchte der Herr meines Lebens sein. Wie viel Zeit nehme ich mir für ihn? Für das Gebet – morgens, abends, bei Tisch? Für die Bibellesung? Wie oft denke ich an ihn? Wie groß sind mein Vertrauen und meine Hoffnung auf ihn? Warum ist mir vieles andere wichtiger als Gott?

2. Du sollst den Namen Gottes nicht verunehren: Wir können nicht groß genug von Gott denken und sprechen. Habe ich Ehrfurcht vor Gott? Ist das auch in meinem Reden und Denken über Religiöses spürbar? Welchen tieferen Grund könnte meine fehlende Ehrfurcht haben?

3. Gedenke, dass du den Tag des Herrn heiligst! Der Sonntag ist der Tag des Herrn. Ich bin eingeladen zum Gottesdienst der Pfarrge-meinde, ich bin aufgerufen, diesen Tag für die Gemeinschaft (Familie, Pfarrgemeinde) zu gestalten. Gehe ich am Sonntag zum Gottesdienst? Welche Beziehung habe ich zu meiner Pfarrgemeinde? Wirkt sich der Gottesdienst in meinem Leben aus? Warum misslingt mir manchmal die Sonntagsgestal-tung?

4. Du sollst Vater und Mutter ehren. Gott hat mir Vater und Mutter geschenkt. Er will, dass ich ihnen dankbar bin und sie nicht vergesse. Wie ist das Verhältnis zu meinen Eltern? Wie viel Zeit und Sorge schenke ich ihnen? Aus welchen Motiven? Wie verhalte ich mich gegenüber denen, für die ich Verantwortung trage – als Mutter, als Vater? Habe ich genügend Zeit für sie?

5. Du sollst nicht töten. Nach dem Willen Gottes soll ich mich und andere Menschen nicht zerstören oder schädigen, sondern aufbauen, lieben und helfen, dass Versöhnung geschieht. Wer sind meine „Nächsten“? Bin ich hilfsbereit? Bereit zum Verzeihen und Trösten? Schenke ich den Anderen Fürsorge, Liebe und Anerkennung? Warum habe ich Angst vor neuen Begegnungen und drücke mich vor sozialem Engagement?

6. Du sollst nicht ehebrechen.
9. Du sollst nicht begehren die Frau / den Mann deines Nächsten. Gott schützt die lebenslange Beziehung zwischen Mann und Frau in der Ehe. Wie ist meine Einstellung zur eigenen, zur fremden Ehe? Wie ist mein eheliches, wie mein vor- oder außereheliches Verhalten? Welches Verhältnis habe ich zu meinem eigenen Körper? Wie rede ich über Sexualität? Schaue ich mir „grenzwertige“ Filme und Magazine an?

7. Du sollst nicht stehlen.
10. du sollst nicht begehren das Hab und Gut deines Nächsten. Gott ruft mich, das Eigentum des Nächsten zu respektieren. Wie gehe ich mit dem Eigentum Anderer um? Bin ich dankbar für das, was ich habe? Oder beneide ich Andere? Nutze ich meine Fähigkeiten, meine Arbeit und meinen Besitz verantwortungsbewusst? Welche Rolle spielt das Geld in meinem Leben? Weiß ich, dass ich nach Möglichkeit mit den Armen teilen muss?

8. Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen. Gott will, dass ich ehrlich bleibe und Anderen durch mein Reden nicht schade. Wie ist meine Sprache? Kann sich der Andere auf mein Wort verlassen? Wo und aus welchen Motiven heraus belüge ich die Anderen und mich selbst? Rede ich schlecht über Andere?

Ich bereue meinen Sünden und bitte Gott um Vergebung

Reuegebete

Gott, himmlischer Vater,
ich habe gesündigt; ich kann meine Sünde nicht ungeschehen machen. Du allein kannst Sünden vergeben. Du hast deinen Sohn Jesus Christus gesandt, dass er die Schuld der Welt auf sich nehme und die Sünder zu dir zurückführe. Herr Jesus Christus, führe auch mich von meinen Irrwegen zurück auf den Weg der Wahrheit und des Lebens. Ich bekenne meine Sünde und bereue sie, weil sie mich von dir fernhält. Herr, verzeih´ mir und schenke mir deinen Geist, damit ich deine Liebe erkenne und sie dankbar erwidere. (Gotteslob 59,5)