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	 xmlns:n="http://typo3.org/ns/GeorgRinger/News/ViewHelpers"><channel><title>Nachrichten</title><link></link><description></description><language>de-DE</language><copyright>Diözese Bistum Würzburg</copyright><pubDate>Sun, 14 Jun 2026 21:39:17 +0200</pubDate><lastBuildDate>Sun, 14 Jun 2026 21:39:17 +0200</lastBuildDate><atom:link href="https://www.wallfahrtsservice.de/nachgefragt/2008/feed.rss" rel="self" type="application/rss+xml" /><generator>TYPO3 EXT:news</generator><item><guid isPermaLink="false">news-30689</guid><pubDate>Wed, 01 Jul 2015 16:41:42 +0200</pubDate><title>Ist es sinnvoll, einen „eingeschlafenen&quot; Wallfahrtsort wiederzubeleben?</title><link>https://www.wallfahrtsservice.de/aktuelles/detail/ansicht/ist-es-sinnvoll-einen-eingeschlafenen-wallfahrtsort-wiederzubeleben/</link><description>Das eindrucksvollste Beispiel für die Wiederbelebung einer Wallfahrtskirche dürfte der Wiederaufbau der kleinen Portiuncula-Kapelle durch Franz von Assisi sein. Das mittelalterliche Kirchlein, dessen legendarische Ursprünge bis ins 5. Jahrhundert zurückreichen, war zu Lebzeiten des Franziskus völlig verfallen. Wie zwei andere Kirchen renovierte es Franz auf Grund eines Auftrags des Gekreuzigten: „Franz, bau meine Kirche wieder auf!&quot; Weil die Portiuncula dann zum Zentrum des Franziskanerordens wurde und weil dort auch sein Gründer starb, wurde sie zu einem europaweiten Wallfahrtszentrum. Der berühmte „Portiuncula-Ablass&quot;, der Franziskus vom Papst gewährt wurde, tat ein Übriges für die Popularität der Wallfahrt. So wurde im 16. und 17. Jahrhundert über der win-zigen Kapelle die gewaltige Kirche Santa Maria degli Angeli gebaut, um die Heerscharen von Pilgerinnen und Pilger zu fassen.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Es kann also durchaus gelingen, eine einmal „eingeschlafene&quot; Wallfahrt wiederzubeleben. Dafür braucht es zwar eine charismatische Persönlichkeit wie Franziskus oder einen günstigen Moment (Kairos). Aber es gelingt viel öfter als man denkt. Viele der heutigen Wallfahrtsorte sind während der Reformation im 16. und/oder während der Aufklärung im 18. Jahrhundert mehr oder weniger sanft zum „Einschlafen&quot; gebracht worden. Und doch wurden sie während der Gegenreformation bzw. während der Romantik zu neuem Leben erweckt. Das Pilgern scheint Urbedürfnisse des Menschen zu erfüllen – es ist nicht totzukriegen. Schon gar nicht auf Befehl von oben.</p><p>Die Frage lautet aber nicht, ob es möglich, sondern ob es sinnvoll ist, einen eingeschlafenen Wallfahrtsort wiederzubeleben. Da kann ich nur sagen: Das hängt davon ab! Hier würde ich erstens sehr „weltlich&quot; überlegen, nämlich in Gestalt einer „Marktanalyse&quot; des „spirituellen Marktes&quot; der Region: Welche Pfarreien der Region haben noch keine regelmäßige Wallfahrt zu einem anderen Wallfahrtsort? Welche drängenden Themen und Anliegen finden im weiteren Umfeld noch nicht genügend Platz, so dass der Wallfahrtsort sich ihrer annehmen könnte? Welches personelle Angebot können wir bieten, das anderswo nicht schon besser gemacht wird? Inspirierend kann zweitens auch ein Blick in die Geschichte sein: Wofür stand der Wallfahrtsort in der Zeit, als er noch lebendig genutzt wurde? Welche Botschaft brachte er damals den Menschen nahe, zum Beispiel durch das Gnadenbild oder das Patrozinium? Von wo kamen die Menschen und auf welchen Wegen? Ohne die Geschichte kopieren zu wollen kann sie doch wertvolle Anregungen für die Gegenwart geben.</p><p>Freilich: Die Wiederbelebung einer Wallfahrt lässt sich nicht „machen&quot;. Wer einen Generalplan entwirft, mit dem er einen Wallfahrtsort allein durch spirituelles Marketing oder pastorale Konzepte wiederbeleben möchte, wird Schiffbruch erleiden. Sorgfältige, ja professionelle menschliche Planung und Überlegung braucht es auch. Sie ist die unverzichtbare Wegbereitung für das innere Geschehen, das Pilgernde antreibt. Bewegt werden Wallfahrerinnen und Wallfahrer jedoch aus dem Innersten ihres Herzens. Und dort kann nur einer den Impuls geben:</p><p><em>„Wenn nicht der Herr das Haus baut, ist alles umsonst gebaut.</em><br /><em>Wenn nicht der Herr die Stadt bewacht, ist alles umsonst bewacht.</em><br /><em>Umsonst, dass ihr aufsteht in aller Herrgottsfrühe</em><br /><em>und Feierabend macht kurz vor dem Einschlafen,</em><br /><em>und noch schnell ein hartes Brot hinabschlingt,</em><br /><em>denn: den Seinen gibt's der Herr im Schlaf.&quot;</em><br /><em>(Psalm 127 in der Übersetzung von Arnold Stadler)</em></p><p>Man muss die Zukunft einer Wallfahrt also gelassen kommen lassen. Wenn es sie gibt, kommt sie von selbst. Und wenn es sie nicht gibt, kann man sie auch nicht herstellen. Dann gilt es der Botschaft des Evangeliums auf andere Weise zu vertrauen: Dass etwas sterben darf, um in anderer Gestalt und an anderem Ort wieder aufzuerstehen. Wenn die Pilgerzentren der Zukunft sich an anderen Orten befinden als die der Vergangenheit – was soll daran falsch sein?</p>]]></content:encoded><category>Nachgefragt 2008</category><category>Aktuell bei Wallfahrt</category><category>Nachgefragt</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-30691</guid><pubDate>Tue, 18 Mar 2014 09:54:14 +0100</pubDate><title>Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang – welche Tageszeit ist sinnvoll für eine Wallfahrt?</title><link>https://www.wallfahrtsservice.de/aktuelles/detail/ansicht/vom-aufgang-der-sonne-bis-zu-ihrem-untergang-welche-tageszeit-ist-sinnvoll-fuer-eine-wallfahrt/</link><description>Jugendliche gehen heute am Wochenende erst um 22 Uhr abends oder später in die Disco und kehren entsprechend spät am nächsten Morgen nach Hause zurück. So ein Unsinn, mag mancher denken. Würden sie früher losziehen, wären sie auch eher im Bett. Doch da würden sich die Jugendlichen kaum verstanden fühlen. Ohne ihr Verhalten bewerten zu wollen: Es ist nicht egal, wann man in die Disco geht. Es ist aber ebenso wenig egal, wann man Christmette feiert (Idealziel der kirchlichen Tradition: Mitternacht) oder die Osternacht begeht (laut kirchlicher Vorschrift darf diese erst bei vollständiger Dunkelheit beginnen – eine Regel, gegen die viele Pfarreien verstoßen).</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Lauf von Tag und Nacht ist der erste, grundlegende Rhythmus der Natur. An ihn bleiben wir auch im Zeitalter der Hochtechnologie maßgeblich gebunden. Unsere biologischen Rhythmen werden zu wesentlichen Teilen vom natürlichen Licht gesteuert. Nicht umsonst nennt die Bibel die Trennung von Licht und Finsternis als erstes Schöpfungswerk Gottes (Gen 1). Insofern ist die Frage nach der zeitlichen Festsetzung von Aufbruch und Ankunft einer Wallfahrt keine Nebensächlichkeit, sondern sehr zentral.</p><p>Für den Aufbruch am Morgen eines Wallfahrtstages ist die beste Zeit sicher jene rund um den Sonnenaufgang. Wenn Pilgerinnen und Pilger sich im Dunkeln treffen und in der ersten Dämmerung losgehen, wenn sie auf der ersten Wegstrecke die Morgenröte beobachten und die Sonne aufgehen sehen können, dann wird das, was Aufbruch im Herzen bedeutet, ganz leibhaftig erfahrbar: Das Zusammenkommen im Dunklen vermittelt Intimität und Geborgenheit. Noch ehe der erste Schritt getan ist, kann man das Aufgehobensein in der Gemeinschaft der Wallfahrtsgruppe spüren. Dann aber heißt es aufbrechen, hinausgehen, dem Licht der Sonne folgen. Wer den Sonnenaufgang erlebt, kann nicht sitzen bleiben, sondern muss sich auf die Beine machen.</p><p>Umgekehrt sollte der Pilger den Tag auch mit der Sonne beschließen. Wenn es dunkel wird, sollte ein Wallfahrtstag nicht nur im Blick auf das Gehen, sondern auch auf alle anderen Aktivitäten beendet sein. Ein gemeinsamer Tagesrückblick, in dem nochmals der gesamte Tag angeschaut und vor Gott gebracht wird, kann den Tag abrunden. Aber ein Aufbleiben bis spät in die Nacht ist unterwegs nicht hilfreich – das bleibt der Ankunft am Ziel vorbehalten. Dort, am Ziel, wird nach Einbruch der Dunkelheit zumeist eine Lichterprozession stattfinden, und nach dieser kann man zusammen feiern und fröhlich sein, weil der Wallfahrtsweg vollbracht ist. Diese Nacht darf ruhig kurz ausfallen, solange man nur am nächsten Morgen pünktlich im Pilgergottesdienst ist.</p><p>Leben mit den Rhythmen von Gottes guter Schöpfung – das kann auf einer Wallfahrt viel unmittelbarer erlebt werden als im Alltag, weil Pilgernde stärker in die Natur eingebunden sind. Trotzdem oder besser gerade deswegen kann auch eine Nachtwallfahrt sinnvoll sein: Losgehen bei Sonnenuntergang, Ankommen kurz vor dem ersten Sonnenstrahl des neuen Tages und Feiern des Gottesdienstes am Wallfahrtsort in den neuen, erwachenden Tag hinein. Eine solche Wallfahrt einer Nacht hat den Charakter eines verlängerten Gangs mit der Osterkerze: Aus dem Dunkel der Nacht in das strahlende Licht des Ostermorgens. Aus der Knechtschaft in Ägypten hinter der Feuersäule her in die Freiheit des gelobten Landes. Aus dem alles verschlingenden Tod dem Auferstandenen folgend in das grenzenlose Leben.</p>]]></content:encoded><category>Nachgefragt 2008</category><category>Nachgefragt</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-30630</guid><pubDate>Tue, 18 Mar 2014 09:54:06 +0100</pubDate><title>Was ist beim Aufbruch einer Wallfahrt wichtig?</title><link>https://www.wallfahrtsservice.de/aktuelles/detail/ansicht/was-ist-beim-aufbruch-einer-wallfahrt-wichtig/</link><description>In dem 2007 erschienenen Kinofilm „Saint Jacques – Pilgern auf Französisch“ von Caroline Serreau macht sich eine bunt zusammengewürfelte Gruppe auf den Pilgerweg nach Santiago. Nachdem sie ein paar Tage miteinander unterwegs sind und sich allmählich auf das Pilgern eingestellt haben, verschwinden sie plötzlich einer nach dem anderen unauffällig hinter einem Felsen. Allerdings tun sie das nicht – wie man denken könnte – in Ermangelung einer Toilette. Vielmehr entleeren sie heimlich und diskret einen großen Teil ihres Rucksacks. Der ist ihnen schlichtweg viel zu schwer.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Ich selber begleite viele Wallfahrtsgruppen. Dabei ist es mir sehr wichtig, dass jeder Teilnehmer seinen Rucksack trägt – den Komfort des Gepäcktransports halte ich für ziemlich unangemessen. Denn wenn alle den Rucksack auf dem Buckel tragen, entdecken sie ganz von selber, wie viel sie mit sich tragen wollen und können. Das Packen des Rucksacks wird zur spirituellen Herausforderung, sich selbst zu beschränken und wirklich nur das Nötigste mitzunehmen. Wir brauchen ja gar nicht so viel! Wallfahren heißt einfach leben.</p><p>Und so wie wir in den Rucksack nicht übermäßig viel einpacken, sollten wir auch den Kopf nicht allzu voll haben, wenn wir auf Pilgerschaft gehen. Es ist wichtig sich zu lösen von den Sorgen des Alltags, aber auch von den vertrauten Personen. Doch wird uns heute genau das sehr schwer gemacht – denn es gibt das Handy. Wir können einander theoretisch jederzeit erreichen und die Verbindung halten. Aufbrechen heißt aber die Nabelschnur durchtrennen, sich lösen von den Menschen daheim, von den Aufgaben im Beruf, von allen alltäglichen Vorgängen. Im besagten Film telefonieren die Pilgerinnen und Pilger lange Zeit praktisch jeden Tag mit ihren Verwandten und Freunden. Doch auf diese Weise werden sie nicht frei, können sich gar nicht einlassen auf das Geschehen der Wallfahrt. Erst nach vielen Tagen hören sie mit dem Telefonieren auf. Und so kommt es, dass zwei jugendliche Teilnehmer erst in Santiago erfahren, dass ihre Mutter in der Zwischenzeit verstorben ist. Wie gut, dass sie es nicht wussten – war es doch der sehnlichste Wunsch der Mutter, dass sie die Wallfahrt machen. So können sie nun ihren Tod versöhnt und vertrauensvoll annehmen.</p><p>Ein Letztes zeigt der Film, das für einen guten Aufbruch nötig ist: Am ersten Morgen besuchen die Pilgerinnen und Pilger die Kathedrale von Le Puy und schreiben ihre Anliegen auf Zettel, die sie in einen Kasten vor einer Madonna werfen. Manche von ihnen finden das albern, manche schämen sich auch nur zuzugeben, dass sie ein Anliegen haben. Mit der Zeit aber öffnen sie sich und erzählen einander, was sie bewegt hat, die Wallfahrt zu unternehmen. – Wer gut aufbrechen will, sollte sich zumindest für sich ganz persönlich darüber Rechenschaft geben: Was ist es, das mich auf dieser Wallfahrt bewegt? Welche Anliegen, welche Lasten, welchen Dank und welche Bitte nehme ich mit?</p><p>Den Rucksack bewusst und sparsam packen – die Bindungen an den Alltag mutig lösen – sich innerlich auf das persönliche Anliegen der Wallfahrt ausrichten – das sind für mich die drei wichtigsten Schritte, ehe es losgehen kann. Den Rest dürfen wir dann getrost in die Hände eines anderen legen. Er wird uns führen. Er wird uns schenken, was er für richtig und gut hält.</p>]]></content:encoded><category>Nachgefragt 2008</category><category>Nachgefragt</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-30549</guid><pubDate>Tue, 18 Mar 2014 09:54:05 +0100</pubDate><title>Ist das Wallfahren in allen Religionen zuhause?</title><link>https://www.wallfahrtsservice.de/aktuelles/detail/ansicht/ist-das-wallfahren-in-allen-religionen-zuhause/</link><description>Diese Frage lässt sich sehr klar mit „ja“ beantworten. Ja, in sämtlichen großen Religionen hat das Wallfahren große Bedeutung.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Im alttestamentlichen Israel zum Beispiel ist die regelmäßige Wallfahrt zum Jerusalemer Tempel spätestens nach dem babylonischen Exil, also seit dem 5. Jahrhundert vor Christus, eine Pflicht für jeden volljährigen männlichen Juden. Nach Dtn 16,16f und Ex 23,17; 34,23f war ein dreimaliges Erscheinen im Tempel gefordert – zu allen drei großen Festen: dem Pe-sachfest, dem Wochenfest (Pfingsten) und dem Laubhüttenfest. 1 Sam 1,3 und Lk 2,41 könn-ten darauf hindeuten, dass es genügte, wenn man einmal jährlich nach Jerusalem hinaufzog. Und für Juden in der Diaspora hat man vermutlich schon früh eine reduzierte Verpflichtung akzeptiert, einmal im Leben die Wallfahrt zu vollziehen.</p><p>Der Islam kennt als eine der „fünf Säulen” der Religion die Verpflichtung, mindestens einmal im Leben die Pilgerfahrt („Hadsch”) zu den heiligen Stätten in Mekka zu vollziehen, wo der Prophet Mohammed seine entscheidenden Offenbarungen erhielt (Sure 3,97). Wer an dieser Pilgerfahrt teilgenommen hat, trägt von da an den Ehrentitel „Hadschi” - „Pilger”.</p><p>Der Hinduismus kennt in Indien bereits in der vedischen Literatur große Wallfahrtsorte, „hei-lige Städte“, zu denen an bestimmten Festtagen Millionen Menschen pilgern, aber auch klei-ne, regionale Pilgerzentren, zu denen die Menschen oftmals und auch außerhalb der Festzei-ten pilgern.</p><p>Schließlich hat sich im Buddhismus relativ bald nach dem Tod Buddhas die Praxis entwi-ckelt, dass man zu den bedeutendsten Stätten seines Lebens und Wirkens pilgert: Zu seinem Geburtsort, zum Ort seiner Erleuchtung, zur Stätte seiner ersten Predigt, zu seinem Sterbeort. Außerhalb Indiens sind weitere Orte hinzu gekommen, die oftmals eine Verbindung zur Gründerpersönlichkeit herzustellen versuchen.</p><p>So kann das Wallfahren längerfristig zu einer Möglichkeit der interreligiösen Annäherung und Begegnung werden. Dann würden vor allem jene Orte Bedeutung gewinnen, die mehrere Re-ligionen gemeinsam aufsuchen. In Ephesus zum Beispiel verehrt die Kirche seit der Spätantike das Haus der Gottesmutter Maria, in dem sie auch gestorben sein soll. Heute befindet sich dort eine kleine Kirche, auf dem Berg Aladag gelegen. Dorthin pilgern auch viele Musliminnen und Muslime: Maria ist für sie die Mutter des zweitgrößten Propheten und damit eine der wichtigsten Persönlichkeiten ihres Glaubens. Deshalb wird die Gebetsnische jeder Moschee „Mihrab“ genannt, genau wie die Zelle, in der Maria weilte, als der Engel Gabriel ihr die Botschaft brachte (vgl. Sure 19 „Maria”). Wer schon einmal Mitte August in der Türkei war, hat gewiss die Plakate gesehen, auf denen zur muslimischen Wallfahrt nach Ephesus am 15. August, dem Fest der Himmelfahrt Mariens, eingeladen wird. Sie hängen in jedem Dorf an den Moscheen. Und Hunderttausende folgen dem Aufruf.</p><p>So wie Ephesus gibt es auch andere Orte, die mehrere Religionen als heilige Orte verehren. Wenngleich sie bisher oft Orte harter Konflikte und Auseinandersetzungen waren, könnten sie doch in Zukunft Stätten des Friedens und der Begegnung werden. Der Prophet Micha sieht es in einer großen Vision für den Zionsberg in Jerusalem. Dorthin, so prophezeit er, werden Menschen aller Völker pilgern. Und jedes Volk ruft dann den Namen seines Gottes an (Mi 4,5).</p>]]></content:encoded><category>Nachgefragt 2008</category><category>Nachgefragt</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-30661</guid><pubDate>Tue, 18 Mar 2014 09:54:04 +0100</pubDate><title>Wallfahrt – eine Hilfe auf dem Weg zur Einheit der Christen?</title><link>https://www.wallfahrtsservice.de/aktuelles/detail/ansicht/wallfahrt-eine-hilfe-auf-dem-weg-zur-einheit-der-christen/</link><description>Bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts verstand man unter „Ökumene“ vor allem die Bemühungen der christlichen Konfessionen um einen Konsens in den zentralen Glaubensfragen. Seit den 1980er Jahren merkte man, dass das allein noch zu wenig ist. Die kirchliche Lehre umfasst ja nicht nur den Glauben, sondern auch die Moral. So begann man im konziliaren Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung auch um einen Konsens in ethischen Fragen zu ringen – ein ähnlich schweres Unterfangen!</description><content:encoded><![CDATA[<p>Seit Beginn des neuen Jahrtausends kommt nunmehr eine dritte, womöglich letzte Komponente hinzu: Die Annäherung in spirituellen Fragen. Schon nach dem Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils hatte die katholische Annäherung an die evangelische Bibelfrömmigkeit begonnen. Die umgekehrte Annäherung brauchte aber länger und nimmt erst jetzt Gestalt an: So wird in der evangelischen Kirche gegenwärtig die katholische Exerzitienspiritualität, die früher als erzreaktionär galt, zunehmend modern. Und auch das Wallfahren, das die Reformatoren aufs Heftigste bekämpft hatten, wird nun für viele evangelische Pfarreien und Gläubige zu einer wunderbaren Möglichkeit, Gott näher zu kommen.</p><p>Mit diesem dritten Stadium der ökumenischen Bewegung wird – und das ist die große Chance – Ökumene nicht nur als eine Sache des Kopfes, sondern auch des Herzens und der Füße, des Leibes und der Gefühle verstanden. Menschen die sich der Spiritualität der Schwesterkonfession öffnen, können erfahren: „Aha, so riecht katholisches Leben!“ oder „So schmeckt evangelische Frömmigkeit!“ Heute können evangelische Christinnen und Christen die Wallfahrt mehr und mehr riechen, die ihnen früher ziemlich gestunken hat.</p><p>Wir sollten aber nicht vergessen, dass das Wallfahren mindestens mancherorts eine lange ökumenische Tradition hat: Allen Kirchenspaltungen zum Trotz blieben bestimmte Wallfahrtsorte immer allen Konfessionen zugänglich wie zum Beispiel die Anastasis in Jerusalem oder das Grab des heiligen Nikolaus von Myra in Bari, die Katholiken und Orthodoxe auch in den Zeiten härtester Konfrontation gemeinsam besuchten. Auch die evangelische Kirche ließ seit der Reformation da und dort Raum für katholische Wallfahrten zu protestantisch gewordenen Kirchen, wie beispielsweise zum Grab des heiligen Olaf in Trondheim.</p><p>Was bis vor wenigen Jahren die Ausnahme war – dass Wallfahren konfessionsverbindend wirken kann – wird heute fast schon zum Normalfall. So wurde die jüngste Wallfahrt zum Heiligen Rock in Trier zu einem beeindruckenden ökumenischen Ereignis – im Zeichen des nicht zerteilten Leibrocks Jesu, der in der geistlichen Tradition schon immer als Symbol für die Einheit der Kirche verstanden wurde. Und die Wallfahrt zu den Stätten der heiligen Elisabeth einte in ihrem Gedenkjahr Christinnen und Christen aller Konfessionen.</p><p>Freilich gibt es wichtige Bedingungen für diese ökumenische Annäherung in spirituellen Dingen: Einseitigkeiten und Fehlentwicklungen der traditionellen Wallfahrtspraxis müssen beseitigt werden. Das ursprüngliche Anliegen, innere Wandlungsprozesse zu ermöglichen, muss neu entdeckt werden. Die Gestaltung muss sich für eine Vielfalt der Formen öffnen: Die religiösen Inhalte sind entscheidend, nicht die Form, in der sie vermittelt werden. Man muss auf Wallfahrten nicht ständig Rosenkranz beten und Marienlieder singen. Und wenn man es tun will, dann muss man die Menschen behutsam an diese Art des Betens heranführen – übrigens nicht nur die evangelischen Pilgerinnen und Pilger, sondern zunehmend auch die katholischen!</p>]]></content:encoded><category>Nachgefragt 2008</category><category>Nachgefragt</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-30605</guid><pubDate>Tue, 18 Mar 2014 09:54:02 +0100</pubDate><title>Ist Wallfahrt etwas typisch Katholisches?</title><link>https://www.wallfahrtsservice.de/aktuelles/detail/ansicht/ist-wallfahrt-etwas-typisch-katholisches/</link><description>Auf einer Wallfahrt in meinen ersten Kaplansjahren näherten wir uns einem evangelischen Dorf, durch das wir hindurch ziehen mussten. Da kam ein Teilnehmer auf mich zu und sagte: „Herr Kaplan, in dem evangelischen Dorf müssen wir ganz laut Marienlieder spielen!“ Ja, damals vor 20 Jahren gab es ihn noch: Den Reflex, das eigene Katholisch-Sein durch Wallfahren und Marienlieder provokativ zu bezeugen.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Und es galt auch umgekehrt: Evangelisch-Sein hieß, kräftig gegen Wallfahrten zu wettern. Denn schon die Reformatoren verurteilten das Wallfahren in Bausch und Bogen. So schrieb Martin Luther 1537 in seinem zweiten Schmalkaldischen Artikel im dritten Abschnitt: „Nun ist das ja gewiss, dass solche Wallfahrten uns nicht geboten, auch nicht vonnöten sind, weil wir's wohl besser haben mögen und ohne alle Sünde und Gefahr sein lassen mögen. Warum lässt man denn daheim den eigenen Pfarrer, Gottes Wort, Weib und Kind etc., die nötig und geboten sind, und lauft den unnötigen, ungewissen, schädlichen Teufelsirrwischen nach, nur weil der Teufel den Papst geritten hat, solches zu preisen und bestätigen, damit die Leute ja häufig von Christo auf ihr eigenes Werk abfielen und abgöttisch würden, welches das Ärgste daran ist? Abgesehen davon, dass es unnötig, ungeboten, ungeraten und ungewiss, dazu ein schädliches Ding ist.“</p><p>Heute wissen wir, dass Luthers Kritik am Wallfahrtswesen seiner Zeit (und manchmal auch noch an heutigen Praktiken!) durchaus seine Berechtigung hatte: Wer glaubt, mit der Wallfahrt sein Seelenheil zu verdienen; wer meint, mit einer Wallfahrt Anspruch auf ein wunderbares Eingreifen Gottes zu haben (eine Heilung von Krankheit, einen neuen Arbeitsplatz…); wer die Wallfahrt missbraucht, um den Sorgen des Alltags zu entfliehen und sich von der eigenen Verantwortung loszureißen; so jemand verfehlt tatsächlich den ursprünglichen Sinn des Pilgerns.</p><p>Leichter als noch vor wenigen Jahrzehnten können heute aber auch evangelische Christen sowie Theologinnen und Theologen eingestehen, dass das Wallfahren durchaus ein geistlicher Gewinn sein kann: Wer sich durch eine Wallfahrt mehr und intensiver der Führung Gottes anzuvertrauen lernt; wer auf dem Pilgerweg das eigentliche Wunder erlebt, dass Gott sein Herz anrührt und verwandelt; wer durch das Fernsein von Zuhause seinen Platz im Leben neu zu begreifen und seine Verantwortung als Berufung durch Gott aufrichtiger anzunehmen lernt; der spürt darin genau das, was die Kernbotschaft der Reformatoren war: Dass Gott uns ohne Verdienst aus reiner Liebe zu uns annimmt und trägt.</p><p>Und so ist es nur logisch, dass heute auch viele evangelische Christen den Camino nach Santiago gehen. Evangelische Pfarreien entlang der Jakobswege legen in ihren Kirchen Bücher auf, in die die Pilgernden ihre Bitten und Anliegen schreiben, und beherbergen in ihren Pfarrheimen gastfreundlich die pilgernden Menschen jedweder Konfession. Selbst organisierte Pilgerreisen sind mittlerweile im Programm evangelischer Pfarreien keine Seltenheit mehr.</p><p>Was früher die Konfessionen spaltete und trennte, wird heute also zu einem verbindenden Element einer gemeinsamen Spiritualität.</p><p>Insofern habe ich einen Traum: Dass nicht nur auf dem Weg Christen unterschiedlicher Konfessionen miteinander gehen und beten, sondern auch am Ziel, in der Wallfahrtskirche gemeinsam Gottesdienst feiern. Und so für die Einheit der Kirchen ein sichtbares Zeugnis ablegen.</p>]]></content:encoded><category>Nachgefragt 2008</category><category>Nachgefragt</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-30551</guid><pubDate>Tue, 18 Mar 2014 09:54:01 +0100</pubDate><title>Warum ist das Interesse an Wallfahrten so groß?</title><link>https://www.wallfahrtsservice.de/aktuelles/detail/ansicht/warum-ist-das-interesse-an-wallfahrten-so-gross/</link><description>Wallfahren hat einen ungeheuren Imagewandel durchgemacht: Was vor wenigen Jahrzehnten noch als erzkatholisch und veraltet galt, weckt heute Neugier und Lust – weit über den Bereich der katholischen Kirche hinaus. Und das in einer Zeit, in der die meisten Ausdrucksformen des Glaubens eher schwindendes Interesse erfahren.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Woran liegt es, dass Wallfahren gerade heute solchen Zuspruch erfährt? Ist es Zeichen für eine neue Religiosität in den Herzen der Menschen? Sind alle besonders religiös, die auf Wallfahrt gehen? Der Sportwissenschaftler Karl-Heinrich Bette nennt als Motive der Wallfahrt eher säkulare Gründe:</p><ul><li>In einer Zeit, in der wir uns gegen alle Risiken bestmöglich absichern, wird es uns zunehmend langweilig. Wir suchen nach neuen, reizvollen Wagnissen.</li><li>In einer Zeit, in der wir die Abläufe unseres Alltags immer weniger selbst unter Kontrolle haben und zunehmend fremdgesteuert werden, suchen wir nach Möglichkeiten, etwas ganz selbst zu gestalten.</li><li>In einer Zeit, die uns zunehmend dem unmittelbaren Naturerleben entzieht, suchen wir die Nähe zur Natur.</li><li>In einer Zeit, die immer stärker zur Anonymisierung des Einzelnen in der Masse tendiert, suchen wir nach Möglichkeiten, ganz individuell zu sein, unverwechselbar. Wir wollen anderen sagen können: „Das habe ich geschafft!“</li><li>In einer Zeit, die sich immer stärker virtuell über elektronische Kommunikationsmedien vollzieht, suchen wir leibhaftige, am eigenen Körper spürbare Erfahrungen.</li></ul><p>Wagnis, eigenständige Lebensgestaltung, Naturerleben, Selbstverwirklichung und leibhaftige Erfahrung – all das kann das Pilgern auf ideale Weise vermitteln. Insofern wundert der Zustrom der Menschen zu Wallfahrten genau besehen nicht. Und man muss offenbar nicht unbedingt sehr religiös sein, wenn man sich auf eine Wallfahrt begibt. Die Menschen suchen zunächst einmal nach dem eigenen Selbst. Sie wollen sich selbst erfahren, sich selbst finden, ihren Lebensweg neu orientieren. Doch ein faszinierendes Phänomen ist, dass man faktisch „religiöser“ wird, wenn man sich innerlich offen auf einen Wallfahrtsweg begibt – das belegen verschiedene empirische Untersuchungen. Ganz offenkundig hat die Suche nach dem eigenen Selbst (theologisch würden wir sagen: Die Suche nach der eigenen Berufung!) viel mit der Suche nach Gott zu tun.</p><p>Deshalb würde ich die säkularen Motive vieler Menschen für ihr Pilgern auch nicht negativ bewerten. Sie spiegeln ja berechtigte Anliegen des Menschseins. Aber die Herausforderung bei der Gestaltung einer Wallfahrt wird es dann eben sein, diese Anliegen in die nötige Tiefe zu führen und die Wallfahrtserfahrungen aufzuschließen für das große Geheimnis, das unser Leben trägt und das wir ChristInnen „Gott“ nennen.</p>]]></content:encoded><category>Nachgefragt 2008</category><category>Nachgefragt</category></item></channel></rss>