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	 xmlns:n="http://typo3.org/ns/GeorgRinger/News/ViewHelpers"><channel><title>Nachrichten</title><link></link><description></description><language>de-DE</language><copyright>Diözese Bistum Würzburg</copyright><pubDate>Sat, 10 Oct 2026 13:41:56 +0200</pubDate><lastBuildDate>Sat, 10 Oct 2026 13:41:56 +0200</lastBuildDate><atom:link href="https://www.wallfahrtsservice.de/nachgefragt/2011/feed.rss" rel="self" type="application/rss+xml" /><generator>TYPO3 EXT:news</generator><item><guid isPermaLink="false">news-30538</guid><pubDate>Wed, 01 Jul 2015 16:41:43 +0200</pubDate><title>Wie kann ich Menschen für eine Wallfahrt begeistern? </title><link>https://www.wallfahrtsservice.de/aktuelles/detail/ansicht/wie-kann-ich-menschen-fuer-eine-wallfahrt-begeistern/</link><description>Seit Mitte der 1980er Jahre erlebt das Wallfahren einen nie gekannten Boom. Quer durch Europa und vermutlich auch in anderen Kontinenten steigen die Zahlen der Pilgerinnen und Pilger kontinuierlich an. Und ein Ende des Booms ist noch nicht in Sicht. Für das Wallfahren an sich braucht man Menschen also kaum begeistern. Sie kommen von selbst darauf – der Trend ist zu eindeutig. Und er ist ja auch soziologisch erklärbar und erklärt worden, wie ich an anderer Stelle bereits gezeigt habe.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Ein wichtiges Übertragungsmedium dieses Trends sind zweifelsohne Erfahrungsberichte in Form von Büchern. Schon im Mittelalter gab es schriftliche Pilgerberichte, und schon damals nahmen sie vielen Menschen ihre Ängste und Bedenken und entfachten ihre Sehnsucht und ihre Lust auf das Pilgern. Aber klar ist auch: Die Bücher bewirken nicht den Trend zur Wallfahrt, sondern der vorhandene, aus ganz anderen Quellen gespeiste Trend sorgt für gute Verkaufszahlen der Bücher. Nicht Hape Kerkelings „Ich bin dann mal weg&quot; sorgte für den Boom des Camino nach Santiago, sondern umgekehrt. Kerkeling war ja erst zu einer Zeit unterwegs, als der Weg schon zahlreich begangen wurde, nämlich rund 15 Jahre nach Beginn des unaufhaltsamen Anstiegs der Pilger/innen-Zahlen. Bücher sind Medien, Mittler von Ideen und Erfahrungen, aber nicht Produzenten derselben. So manipulierbar ist der Mensch dann doch wieder nicht, und schon gar nicht, wenn er wochenlange Mühen und Anstrengungen auf sich nehmen muss. Dafür braucht er andere Motivationen als ein Buch.</p><p>Für das Wallfahren an sich braucht man Menschen also kaum begeistern. Wohl aber für eine konkrete, ganz bestimmte Wallfahrt, für die man jemanden als Mitpilger/Mitpilgerin gewinnen möchte. Und da gilt zunächst dasselbe wie bei der großen Santiago-Wallfahrt: Die eigenen Erlebnisse, die man erzählen kann, begeistern am meisten. Sie geben Klarheit über die Anforderungen des Weges, aber auch über die Hilfsmöglichkeiten. Sie lassen die Lust verspüren, die jemand bei der konkreten Wallfahrt erfahren hat, und spiegeln etwas von den spirituellen Bereicherungen wider, die sie geschenkt hat. Wie bei Kerkeling liegt der „Erfolg&quot; eines Pilgerberichts aber immer in dessen schonungsloser Ehrlichkeit. Schönfärberei wird schnell durchschaut. Was zählt, ist eine aufrichtige Bestandsaufnahme mit allen Vor- und Nachteilen, freudigen Erlebnissen und Belastungen.</p><p>Bei Gruppenwallfahrten ist ein weiteres ganz entscheidend: Der oder die Umworbene muss den Eindruck gewinnen, in einer Gemeinschaft mit Gleichgesinnten unterwegs sein zu können. Ein einzelner Mann wird sich in einer Gruppe von lauter Frauen kaum wohlfühlen und umgekehrt. Ein einziger Jugendlicher wird sich ein einer Schar von Jungsenior/Jungseniorinnen nicht zuhause fühlen und umgekehrt. Ein eher „kirchenferner&quot; Mensch wird sich unter lauter „Full-Time-Katholiken/innen&quot; nicht beheimaten und umgekehrt. Ein unsportlicher Durchschnittsmensch wird sich unter lauter „Marathon-Pilger&quot; nicht einreihen können und umgekehrt. Wenn man Mitmenschen für die eigene Wallfahrt gewinnen möchte, sollte man also auf jeden Fall prüfen, ob diese gut in die Gruppe passen.</p><p>Sollte all dies geklärt sein, der oder die Umworbene aber immer noch Zweifel haben, gibt es ein sehr schönes Mittel, das weiterhilft: Einmal eine Tagesstrecke der Wallfahrt „zur Probe&quot; gehen. Eine Frau aus meiner Mariazell-Wallfahrtsgruppe lädt alljährlich Interessierte dazu ein. Sie nennt das „Mutmachtag&quot;. Nicht selten ist das für Neulinge der entscheidende Anstoß zur Teilnahme. „Kommt und seht!&quot; sagt Jesus zu den ersten Jüngern (Joh 1,39). Und sie bleiben den Rest jenes Tages und dann sogar ihres gesamten Lebens bei ihm.<br />Eines ist freilich unverzichtbar, wenn man jemanden wirklich für eine konkrete Wallfahrt dauerhaft gewinnen will: Die Qualität des spirituellen Angebots muss stimmen. Wenn jemand beim ersten Mal nicht im Innersten seines Herzens angerührt wird, wenn er oder sie auf dem gesamten Weg keinen Moment erlebt, an dem er oder sie Gottes Nähe intensiv wahrnimmt, dann wird er oder sie kaum auf Dauer dabeibleiben. Die Sehnsucht der modernen Menschen nach ganzheitlichen spirituellen Erfahrungen ist hoch. Ob sie das Pilgern als Antwort auf ihre Sehnsucht begreifen können, liegt aber wesentlich an denen, die die Wallfahrt gestalten.</p>]]></content:encoded><category>Nachgefragt 2015</category><category>Nachgefragt</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-30587</guid><pubDate>Tue, 18 Mar 2014 09:54:47 +0100</pubDate><title>Warum oft der Umweg über Maria und die Heiligen?</title><link>https://www.wallfahrtsservice.de/aktuelles/detail/ansicht/warum-oft-der-umweg-ueber-maria-und-die-heiligen/</link><description>In der Tat: Die wenigsten Wallfahrtsorte sind direkt Gott oder einem Ereignis aus dem Leben Jesu gewidmet. Letzteres gibt es vorwiegend im Heiligen Land, in dem die Orte des Lebens und Wirkens Jesu liegen und die thematische Ausrichtung der heiligen Stätten dominieren – von der Verkündigungsbasilika in Nazaret über die Brotvermehrungskirche in Tabgha und den Berg der Verklärung bis zur Anastasis über dem Grab Jesu in Jerusalem. Ersteres – die Widmung einer Wallfahrtskirche an Gott selbst – konzentriert sich vor allem auf die Wallfahrtsorte zur Heiligsten Dreifaltigkeit, wie sie in vielen Ländern zu finden sind. Darüber hinaus aber sind die allermeisten Wallfahrtskirchen einem oder mehreren Heiligen geweiht.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Brauchen wir einen solchen Umweg? In unserer modernen Zeit werden wir sofort an den Satz denken, den wir im Mathematikunterricht gelernt haben: „Der kürzeste Weg zwischen zwei Punkten ist die Gerade.“ Warum also der Umweg, wenn Gott doch direkt und ganz unmittelbar erfahrbar ist? Die traditionelle Pilgerspiritualität antwortet darauf mit dem Bild des Labyrinths, das ein Urbild für den Lebens- und Glaubensweg von Menschen ist. Wendungen und Umwege, sagt das Labyrinth, gehören zum Leben und sind oft der einzig mögliche Weg. Es geht nicht immer geradeaus. Manchmal rennen wir jahrelang in eine Sackgasse, bis wir das merken und den für uns richtigen Weg zum Leben entdecken. Aber wir hätten den Königsweg ohne die Sackgasse vermutlich gar nicht erkannt. Der Weg hinein war also keineswegs umsonst – so mühsam und schmerzlich die Umkehr am Ende auch gewesen sein mag. Anders als die Mathematik sagt uns die Spiritualität also: „Der kürzeste Weg zwischen Geburt und Auferstehung, zwischen Aufbruch und Ankunft ist die Umkehr und der verschlungene Umweg.“</p><p>Solch ein Umweg führt immer über konkrete lebensgeschichtliche Erfahrungen – eigene wie auch von anderen Menschen. Heilige als Vorbilder im Glauben repräsentieren solche Erfahrungen. Die moderne Psychologie weiß besser als früher, dass der Mensch Vorbilder braucht – im Glauben, Hoffen und Lieben. Komplexe Verhaltensweisen wie ethische und spirituelle Orientierungen lassen sich nur an Hand von Vorbildern lernen. Das sind für das Kleinkind zuerst die Eltern, die größeren Geschwister und andere Bezugspersonen aus dem nahen Umfeld. Es sind aber sehr bald auch Persönlichkeiten, die durch das Erzählen vermittelt werden. Von Phantasiepersönlichkeiten wie Schneewittchen lernt das Kind wichtige Grundhaltungen ebenso wie von Jesus oder den Heiligen.</p><p>Vorbilder vermitteln wichtige Lebenserfahrungen. Ohne Vorbilder kann kein Mensch leben. Zugegeben: Man muss die Vorbilder nicht unbedingt verehren. Man darf das auch nur in stark begrenztem Maße – weil man durch ihre Vergöttlichung die Gottheit Gottes missachtet, und weil man sie durch ihre „Anbetung“ so weit auf das Podest hebt, dass sie nicht mehr menschlich sind. Der Verehrung eines Heiligen sind also aus theologischen wie aus anthropologischen Gründen klare Grenzen gesetzt.</p><p>Kein gläubiger Christ muss Heilige verehren, erst recht nicht einen ganz bestimmten Heiligen. Das hat die Kirche nie gefordert. Die Vielfalt der Heiligen lässt jedem reiche Wahl – und wer keinen Lieblingsheiligen findet, wird deswegen auch nicht verurteilt. Aber es ist doch ein beeindruckendes Angebot, wenn einem so viele mögliche Vorbilder im Glauben, Hoffen und Lieben angeboten werden – mit all ihren menschlichen Schwächen, die man gar nicht verheimlichen braucht.</p><p>Eines freilich sollte klar bleiben: Heilige sind nicht das Ziel der irdischen Pilgerschaft, sondern „nur“ eine Station auf dem Weg. Ziel aller Wege durch das irdische Labyrinth ist Gott allein. Bei der inhaltlichen Gestaltung von Wallfahrten sollte das unbedingt berücksichtigt werden.</p><p>Sonst wird aus Glauben schnell Aberglauben.</p>]]></content:encoded><category>Nachgefragt 2011</category><category>Nachgefragt</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-30672</guid><pubDate>Tue, 18 Mar 2014 09:54:44 +0100</pubDate><title>Darf man „alte Zöpfe“ abschneiden? Braucht die Wallfahrt neue Formen? Zwischen alter Tradition und neuem Trend</title><link>https://www.wallfahrtsservice.de/aktuelles/detail/ansicht/darf-man-alte-zoepfe-abschneiden-braucht-die-wallfahrt-neue-formen-zwischen-alter-tradition-und-n/</link><description>„Da beten wir immer einen Rosenkranz für die Verstorbenen!“ Oder: „Da singen wir immer ein Marienlied!“ Solche Äußerungen bekommt zuhauf zu hören, wer zum ersten Mal an einer traditionsreichen Wallfahrt teilnimmt. Mehr als fast alle anderen religiösen Vollzüge – vielleicht mit Ausnahme des Heiligen Abends in der Familie – sind Wallfahrten bis in die kleinsten Details hinein sehr festgelegt. Das liegt vor allem an ihrer Ganzheitlichkeit. Bräuche und Gewohnheiten sind jeweils mit einem ganz bestimmten Ort und einer ganz bestimmten Zeit verbunden. Damit graben sie sich als ganzheitliches Erlebnis ins Gedächtnis der Pilgerinnen und Pilger ein und werden fast automatisch wieder wachgerufen, wenn man sich dem zugehörigen Ort nähert.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Nun ist es zunächst einmal sehr wertvoll, dass Erinnerungen an frühere Wallfahrten lebendig bleiben, denn sie vertiefen das Erleben der Wallfahrt sehr. Es ist wie bei einem alten Ehepaar, das an den Ort der ersten Begegnung, des ersten Kusses oder der Hochzeitsreise zurückkehrt. Die Erinnerungen werden sehr intensiv sein und die alte Liebe neu beleben. Und womöglich wird das Ritual vom Anfang bewusst wiederholt, und die beiden geben sich am Ort des allerersten Kusses nun, Jahrzehnte später, noch einmal einen Kuss. Der wird für sie etwas ganz Besonderes sein!</p><p>Alte, tief in die Erinnerung eingegrabene Rituale haben also eine große Kraft – selbst für neu teilnehmende Pilgerinnen und Pilger. Sie werden von den „alten Hasen“ ganz automatisch mit hineingenommen in den großen Strom der Traditionen, in denen sie stehen. Gerade deswegen muss man aber immer wieder prüfen, ob die alten Rituale noch stimmig sind, angemessen für heutige Menschen und unsere Weise, den christlichen Glauben als einen jungen, hellwachen und lebendigen Glauben zu leben. Rituale können ja auch in Äußerlichkeiten erstarren. Dann verhindern sie gerade das, was sie eigentlich bewirken möchten: Dass das Innere der Menschen angerührt und bewegt wird. Das gilt womöglich dort, wo Wallfahrten jahrhundertealte Gebete unverändert weiterverwenden. Bei aller Ehrwürdigkeit solcher Gebete kommt es doch nicht selten vor, dass sie eine Theologie vermitteln, die dem heutigen Stand von Kirche und Glauben bestenfalls sehr eingeschränkt entspricht, und dass sie eine Sprache sprechen, die wir kaum noch verstehen können. Ebenso starr wirkt mitunter die fast ausschließliche Verwendung des Rosenkranzgebets. Bei allem Wert, den dieses Gebet gerade auf Wallfahrten hat, sollte man doch die heute vorhandene Vielfalt von Gebetsformen nutzen und den Pilgernden anbieten.</p><p>Insofern brauchen alte Traditionen eine kontinuierliche Überprüfung: Was ist (noch) gut und hilfreich, förderlich für den Glauben der Teilnehmenden und was nicht (mehr)? Und wenn etwas nicht mehr förderlich ist: Kann es in produktiver Weise umgeformt werden, so dass es seine alte Absicht in neuer Gestalt verwirklicht, oder sollte man es lieber beiseitelegen und durch etwas völlig Neues ersetzen? Diese Fragen sollte sich jede Wallfahrtsleitung, beraten durch einen studierten Theologen oder einer studierten Theologin, alle fünf bis zehn Jahre in aller Ruhe und sehr genau ansehen und mutige Schritte der Anpassung gehen: „Prüft alles und behaltet das Gute!“ (1 Thess 5,21)</p><p>Gerade Pilgern bedeutet: Stillstand ist Rückschritt. Es gilt, Schritt für Schritt weiterzugehen in eine Zukunft, die anders ist als die Gegenwart. „peregrinatio semper reformanda“ – „Die Wallfahrt muss ständig erneuert werden!“</p>]]></content:encoded><category>Nachgefragt 2011</category><category>Nachgefragt</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-30685</guid><pubDate>Tue, 18 Mar 2014 09:54:43 +0100</pubDate><title>Wie soll man mit Wallfahrern umgehen, die aus der Reihe fallen?</title><link>https://www.wallfahrtsservice.de/aktuelles/detail/ansicht/wie-soll-man-mit-wallfahrern-umgehen-die-aus-der-reihe-fallen/</link><description>Ich habe eine Weile überlegt, was diese Frage genau meint. Denn für mich lässt der Satz zwei mögliche Interpretationen zu: „Aus der Reihe fallen“ kann „aus der Reihe tanzen“ meinen, das heißt, die Weigerung eines Pilgernden, bestimmte Bräuche oder Ordnungen einzuhalten. „Aus der Reihe fallen“ kann aber auch ein Zurückfallen bedeuten, ein Nicht-mehr-mithalten-können. In beiden Fällen geht es um eine Störung des flüssigen, reibungslosen Ablaufs einer Wallfahrt. Und der ist – vor allem bei großen Gruppen – ungemein wichtig, damit man guter Dinge am Ziel ankommt.</description><content:encoded><![CDATA[<p>In der „themenzentrierten Interaktion“ (TZI), einer Kommunikationstheorie, lautet ein Prinzip: „Störungen haben Vorrang!“ Auf keinen Fall dürfen der Wallfahrtsleiter und die Wallfahrer Störungen ignorieren und so tun, als hätten sie nichts bemerkt und wäre nichts gewesen. Denn das Überdecken einer Störung führt dazu, dass unter der Decke ein Konflikt entsteht und irgendwann mit viel größerer Macht zutage tritt. Besser also frühzeitig schauen, was getan werden kann!<br />Zweitens sind normalerweise immer jene Problemlösungsstrategien erfolgreich, die schrittweise stärkere Maßnahmen umfassen. Man beginnt mit der geringstmöglichen Maßnahme, und wenn die nichts hilft, folgt eine etwas stärkere und so weiter bis zur stärksten und umfangreichsten Maßnahme als dem allerletzten Mittel. – Was heißt das nun konkret?</p><p>Wie sollen wir mit Wallfahrerinnen und Wallfahrern umgehen, die langsamer werden und zurückfallen? Ein erster Versuch könnte darin bestehen, dass der Wallfahrtsführer die gesamte Gruppe etwas langsamer gehen lässt. Oft reicht ja eine geringe Temporeduktion, damit langsamere Personen wieder gut mitkommen, ohne völlig außer Atem zu geraten. Sollte das nicht genügen, wäre die zweite Stufe, die ich vorschlage (und selber praktiziere), dass ein „starker Pilger“ mit dem Langsamen ganz hinten geht und nachkommt. Meist geht es ja nur um Minuten, die man bei der nächsten Pause später am Treffpunkt ist – dann haben die ersten schon die Toilette genutzt, das Getränk bestellt, so dass dem Langsameren nicht wirklich etwas verloren geht. Eine dritte Stufe, wenn auch die zweite nicht dauerhaft zum Erfolg führt, ist sicher, dass der/die Langsame am Morgen oder am Abend ein Stück des Weges in einem Fahrzeug zurücklegt. Ich selber pilgere prinzipiell nur ohne Begleitfahrzeug. Daher heißt das für die betreffende Person: Sie muss sich ein öffentliches Verkehrsmittel suchen, Fahrpläne in Erfahrung bringen, gegebenenfalls einen Umweg fahren und umsteigen… ein echtes Abenteuer und somit eine Bewährung anderer Art. Sie hat am Abend auf jeden Fall viel zu erzählen. Als vierte und letzte Stufe muss natürlich auch das Abbrechen der Wallfahrt in Betracht kommen, etwas wenn eine Fußverletzung das erzwingt. Aber es ist eindeutig das letzte Mittel. Und selbst dann kann der „Fußlahme“ die Gruppe am Ziel erwarten und so seine weiter bestehende Zugehörigkeit zur Gemeinschaft zeigen.</p><p>Wie aber sollen wir mit Wallfahrern umgehen, die „aus der Reihe tanzen“ und sich nicht an die Ordnung der Gruppe halten wollen? Auch das kommt vor, und bis zu einem gewissen Grad ist es erträglich, ja muss es ertragen werden. Doch gibt es Grenzen. Wallfahren braucht den spirituellen „Gleichschritt“. Wenn beim Formationstanzen einer ständig gegen den Rhythmus tanzt, verunsichert das alle anderen und bringt auch sie aus dem Takt. Wenn das der Fall ist, braucht es das Handeln. Hier können sich alle Beteiligten an einer Wallfahrt an Jesu eigenen Weisungen orientieren (Mt 18): Zuerst sollte mit dem aus der Reihe Tanzenden ein Gespräch unter vier Augen die Klärung suchen. Im zweiten Schritt sollte ein Dritter als Vermittler hinzugezogen werden. Erst im dritten Schritt kommt der Wallfahrtsführer ins Spiel und ist gefordert, seinerseits eine Klärung zu probieren. Nur im alleräußersten Fall unüberbrückbarer Gegensätze wird das&nbsp;Frankenlied schlagend, in dem der Dichter „seitwärts durch den Wald als räudig Schäflein traben“ muss. – Vielleicht trifft das „räudige Schäflein“, das aus der Reihe tanzt, aber auch einen wahren Kern: Nicht alle Ordnungen einer Wallfahrt sind auf ewig unverrückbar.</p>]]></content:encoded><category>Nachgefragt 2011</category><category>Nachgefragt</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-30567</guid><pubDate>Tue, 18 Mar 2014 09:54:42 +0100</pubDate><title>Wie sieht die Amtskirche das Pilgern?</title><link>https://www.wallfahrtsservice.de/aktuelles/detail/ansicht/wie-sieht-die-amtskirche-das-pilgern/</link><description>Seit rund zwei Jahrzehnten erlebt das Wallfahren einen Boom. Das lässt auch die Bischöfe und den Papst nicht unberührt, im Gegenteil: Hohe Würdenträger der Kirche begleiten Pilgergruppen zu den großen Wallfahrtsorten der Christenheit und kehren nachher selber begeistert und froh gestimmt nach Hause zurück. Und seit Johannes Paul II. ist der Papst mit seinen vie-len Reisen rund um den Globus selbst zu einem ständigen Pilger geworden, wie das der verstorbene Papst immer wieder betonte. Und dennoch glaube ich, dass die Amtskirche den springenden Punkt noch nicht wahrgenommen hat.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Ich will es – ohne damit eine persönliche Kritik abgeben zu wollen – am Beispiel der Predigt von Papst Benedikt XVI. in Santiago de Compostela am 6. November 2010 zeigen. Darin formuliert der Papst unter anderem folgende wunderbaren Sätze:</p><p>„Das ist es, was viele Pilger, die nach Santiago de Compostela gehen, um den Apostel zu um-armen, im Innersten ihres Herzens erleben – deutlich bewusst oder in einem Spüren, ohne es in Worte fassen zu können. Die Beschwerlichkeit des Gehens, der Abwechslungsreichtum der Landschaft, die Begegnung mit Personen anderer Nationalität machen sie offen für das, was uns zutiefst und gemeinsam mit den Menschen verbindet: Wir sind Wesen, die auf der Suche sind, Wesen, die der Wahrheit und Schönheit bedürfen, der Erfahrung von Gnade, Liebe und Frieden, Vergebung und Erlösung. Und ganz tief verborgen in all diesen Menschen hallen Gottes Gegenwart und das Wirken des Heiligen Geistes wider. Ja, jeder Mensch, der in sei-nem Inneren still wird und sich von seinen Leidenschaften, Wünschen und unmittelbaren Tä-tigkeiten löst, der Mensch, der betet, den erleuchtet Gott, damit er ihm begegne und Christus erkenne. Wer nach Santiago pilgert, tut das im Grunde, um vor allem Gott zu begegnen, der im Abbild der Majestät Christi ihn bei seiner Ankunft am Portikus der Glorie empfängt und segnet…“</p><p>Paradox ist freilich die Schlussfolgerung, die Benedikt aus diesen Beobachtungen zieht. Denn er fordert: „Europa muss sich Gott öffnen, muss ohne Angst heraustreten hin zur Begegnung mit Ihm, muss mit seiner Gnade für die Würde des Menschen arbeiten, die von den besten Traditionen erschlossen worden ist…“</p><p>Da tritt Europa seit 20 Jahren in immer größerer Zahl „heraus“ aus dem Alltag, macht sich auf den Camino de Santiago und viele andere Pilgerwege, öffnet sich für den ihm fremd gewor-denen Gott und sein Geheimnis. Aber anstatt sich auf dem Weg zu diesen Menschen zu gesel-len, ihnen Wegbegleitung zu werden und mit ihnen ins suchende, fragende Gespräch zu kommen, wartet die (höhere) Amtskirche am Ende des Weges in Santiago… Dort aber ist das Bedürfnis nach Erneuerung oft bereits gestillt, wenn Pilgernde ankommen. Dort haben sie ihre Wandlungsprozesse und spirituellen Neuorientierungen schon hinter sich. Die passieren unterwegs.</p><p>Ich frage mich: Welches Personal stellt die Kirche zur Verfügung, um entlang der kleinen und großen Pilgerwege Seelsorge zu betreiben? Wie viele Priester stellt ein Bistum von der Pfarr-seelsorge frei, damit sie Menschen auf den Pilgerwegen begleiten können? Wie viele kompe-tente, einfühlsame Beichtpriester stehen an den großen Wallfahrtsorten zur Verfügung? In Mariazell, einem der sechs größten Wallfahrtsorte Europas, ist es praktisch keiner – der eine Wallfahrtsseelsorger ist mit den vielen Gottesdiensten mehr als ausgelastet. In Lourdes mag es besser sein, doch insgesamt hat die europäische Kirche kein Konzept, wie sie die strömenden Massen an Pilgerinnen und Pilgern unterwegs und am Ziel wirklich hochwertig und intensiv seelsorglich betreuen soll.</p><p>Die Ursache liegt auf der Hand: Wir müssten dafür Altes aufgeben. Um Neues zu gewinnen!</p><p>Das Zweite Vatikanische Konzil hat die Kirche als „pilgerndes Volk Gottes unterwegs“ be-zeichnet. Mehr denn je ist das seit 20 Jahren Wirklichkeit – Suchende, Fragende, Glaubende und Hoffende beleben die alten Pilgerwege. Doch die Hirten bleiben noch zuhause.</p>]]></content:encoded><category>Nachgefragt 2011</category><category>Nachgefragt</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-30525</guid><pubDate>Tue, 18 Mar 2014 09:54:41 +0100</pubDate><title>Wallfahrt als Trauerarbeit?</title><link>https://www.wallfahrtsservice.de/aktuelles/detail/ansicht/wallfahrt-als-trauerarbeit/</link><description>Ja, ganz sicher ist eine Wallfahrt eine ausgezeichnete und sehr intensive Möglichkeit, den Verlust eines geliebten Menschen im Horizont des Glaubens zu verarbeiten. Denn einerseits gibt das Pilgern die Chance, Abstand vom unmittelbaren Alltagsgeschehen zu gewinnen – Trauernde werden gleichsam herausgerissen aus ihrer Niedergedrücktheit und werden aus einem Zustand der Lähmung in Bewegung versetzt. Zugleich können sie sich im Geschehen der Wallfahrt sehr intensiv mit ihrer Trauer auseinandersetzen – sie werden geradezu darauf gestoßen und können nicht ausweichen. Und schließlich hilft eine aufmerksame Pilgergruppe, indem sie zuhört, mittrauert, aber auch eigene Erfahrungen erfolgreicher Trauerbewältigung ins Spiel bringt.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Interessant ist, dass die weithin anerkannte Beschreibung der vier Phasen des Trauerprozesses von Verena Kast nahezu perfekt mit den fünf Phasen langer Wallfahrten zusammenpasst, wie sie Barbara Haab analysiert hat:</p><h5>1. Phase der Trauer: Nicht-Wahrhaben-Wollen und Verleugnung – 1. Phase des Pilgerns: Sozialisierung als Pilger/-in</h5><p>In der ersten Phase der Trauerarbeit wollen Trauernde nicht wahrhaben, dass der ihnen so sehr am Herzen liegende Mensch gestorben ist und sie für immer verlassen hat. Sie stehen wie unter einem Schock oder bewegen sich wie in Trance. Am Ende dieser Phase wissen Trauernde, dass der geliebte Mensch nicht mehr zurückkehrt. – Die erste Phase einer Pilgerfahrt dient dazu, sich mit dem Pilgersein, mit der Gruppe und dem Ablauf des Wallfahrens zu identifizieren. Massive Fragen nach der Sinnhaftigkeit des Unterfangens („Wozu das Ganze?“) und Zweifel daran, den Weg wirklich zu bewältigen, wechseln mit euphorischen Gefühlen der Begeisterung und des Selbstbewusstseins ab. Am Ende dieser Phase haben sich die Pilgernden in ihre Rolle hineingefunden.</p><h5>2. Phase der Trauer: aufbrechende Gefühle – 2. Phase des Pilgerns: innere Reinigung</h5><p>Jetzt haben Trauernde die Hoffnung aufgegeben und verspüren den ganzen Schmerz und die Verzweiflung. Sie leiden unter Gefühlsschwankungen und fangen aus heiterem Himmel an zu weinen. An nichts haben sie Freude und glauben, nie mehr glücklich sein zu können. Diese Phase ist die schmerzlichste und schwierigste Phase in der Trauerbewältigung. – Genau so ist es auch beim Pilgern. Nach einiger Zeit des Weges kann die Gleichförmigkeit des ständigen Gehens zur inneren Ermüdung und zum Ausbrennen führen. Körperliche Leiden werden spürbar. Damit sich stellt verstärkt die Frage nach den eigenen Grenzen. Pilgernde erfahren diese Zeit als Öffnung und Reinigung.</p><h5>3. Phase der Trauer: langsame Neuorientierung – 3. und 4. Phase des Pilgerns: Über die Schwelle und durch das Labyrinth</h5><p>Langsam beginnen Trauernde wieder&nbsp;sich nach außen zu orientieren. Sie können sich zeitweise wieder konzentrieren, sich auch mal an etwas erfreuen. Trauer und Hader lassen langsam nach. Schritt für Schritt gelingt eine Neuordnung des eigenen Alltags – und siehe, es geht! – Beim Pilgern entsprechen dem zwei Phasen: Die Phase einer Entscheidung zu Vertrauen und Hingabe, die mit einer Entscheidung endet. Versinnbildlicht wird dies zum Beispiel auf dem Jakobsweg mit dem Niederlegen eines Steines beim Cruz de Ferro. Doch die Entscheidung wird noch eine Weile bezweifelt und geprüft. Das ist die vierte Phase, die einem Weg durch ein Labyrinth gleicht. Dabei nicht die klare Linie zu verlieren und das Ziel aus den Augen zu verlieren ist die große Herausforderung dieses letzten Wegstücks.</p><h5>4. Phase der Trauer: neues Gleichgewicht – 5. Phase des Pilgerns: spirituelle und soziale Auflösung</h5><p>In der letzten Phase sind Trauernde zu einem neuen körperlichen und seelischen Gleichgewicht gelangt. Es erfüllt sie bisweilen immer noch mit Wehmut, an die Vergangenheit zu denken, doch insgesamt sehen sie vertrauensvoll in die Zukunft. Sie werden den verstorbenen Menschen nie ersetzen und vergessen können, aber lenken ihren Blick auf eine neue Lebensaufgabe. Die Trauerarbeit ist beendet. – Dem entspricht die letzte Phase des Wallfahrens, die Ankunft am Ziel: Sie hat für Haab den doppelten Charakter einer Auflösung: Einerseits lösen sich die Fragen und Rätsel des Weges momentan auf, im Licht, in der Erfahrung des Heiligen. Andererseits löst sich die Pilgergruppe und der gesamte Lebensstil des Unterwegsseins auf, was ein langsames Abschiednehmen erfordert.</p><p>Kenner der ignatianischen Exerzitienstruktur muss es verblüffen, wie ähnlich die Beschreibungen Kasts und Haabs den Phasen der ignatianischen Exerzitien entsprechen. Will man das nicht dem Zufall zuschreiben, legt sich nahe, Exerzitienweg, Pilgerweg und Trauerweg in einer strukturellen Analogie zu sehen. Dann aber würde das für die Gestaltung von Wallfahrten Ähnliches bedeuten wie für die Gestaltung von Exerzitien. Es wäre die große Herausforderung von Verantwortlichen, durch ihre Impulse Wallfahrten so zu konzipieren, dass sie die inneren Wandlungsprozesse der Teilnehmenden fördern und sinnvoll unterstützen.<br />Und das heißt: Wie bei Ignatius ginge es darum, den Menschen und seine Situation mit dem Leben Jesu zu konfrontieren und so neue Horizonte zu öffnen. In der ersten Phase wären das vor allem die Kindheitserzählungen der Evangelien (Leitgedanke: Mein Leben ist trotz allem gut!). In der zweiten Phase ginge es um die Kranken, die Jesus heilt (Leitgedanke: Jesus heilt auch meine Wunden!). Die dritte und vierte Phase wären gekennzeichnet von Jesu Ruf in die Kreuzesnachfolge (Leitgedanke: Mit ihm ist kein Weg zu weit!) und von der Betrachtung seines Leidens. Und die letzte Phase würde die Freude über die innere Erneuerung im Licht der Ostererzählungen spiegeln.</p><p>Wallfahren als Unterstützung von Trauerarbeit? Ja, unbedingt. Ich habe fast in jedem Jahr eine gerade erst verwitwete Person in meiner Pilgergruppe – und sie alle haben viel neuen Mut auf dem Pilgerweg gefunden.</p>]]></content:encoded><category>Nachgefragt 2011</category><category>Nachgefragt</category></item></channel></rss>