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Pilgern durch die Coronakrise - 16. April 2020

Liebe österlich Pilgernde,

eine unserer regionalen Gratiszeitungen hier in OÖ hat eine Plattform mit Impulsen zur Corona-Krise aufgebaut und u.a. mich gebeten, einen Impuls beizutragen. Auch wenn er für euch/ Sie manches Bekannte enthält, ist es vielleicht interessant, ihn zu lesen: https://www.meinbezirk.at/oberoesterreich/c-politik/moraltheologe-rosenberger-die-neuorientierung-muss-jetzt-beginnen_a4020486

Ostern ist nicht das Fest, an dem die Wunden vergessen wären, im Gegenteil: Ostern ist das Fest, an dem die Wunden im Mittelpunkt des Geschehens sind. Aber sie sind verklärt im österlichen Licht. Die Osterkerze ist geschmückt von den fünf Wunden Jesu. Und selbst dem Zweifler Thomas geht es darum, „den Finger in die Wunde zu legen“, um sich zu vergewissern, dass es sich wirklich um Jesus handelt. Ja, die Wunden sind der Ort, an dem Auferstehung spürbar wird. Das neue, österliche Leben löscht die schmerzliche Vergangenheit nicht aus. Es geht nicht über sie hinweg, als hätte es sie nie gegeben. Ostern heißt vielmehr, die Wunden des Lebens mit den Augen der Liebe Christi anzuschauen, der selbst Wunden erlitten hat.

Bezogen auf die gegenwärtige Corona-Krise kann das heißen: Ich schaue auf meine Schmerzen und Verletzungen, die ich in diesen Wochen durch die Restriktionen erfahren musste. Aber ich schaue auch auf die vielen kleinen Auferstehungen, die sich eben gerade IN diesen Schmerzen und Verletzungen ereignen: Wenn der Krankenschwester Kräfte zuwachsen, die sie sich nie zugetraut hätte. Wenn Familien sich in mehr oder weniger beengten Wohnverhältnissen bis an die Grenze des Erträglichen auf die Nerven gehen und sich doch wieder zusammenraufen. Wenn die Kassiererin im Supermarkt bis zum Umfallen arbeitet und sich trotzdem am Abend regelmäßig eine Stunde Zeit nimmt zum Nachdenken, weil sie daraus ungeahnte Kräfte schöpft. Wenn ÄrztInnen und Pflegepersonal auf einer Krankenhausstation jahrelangen Streit hinter sich lassen und ausgerechnet jetzt ein Wir-Gefühl entwickeln. Wenn es in einer Familie mehr knistert und kracht als sonst, zugleich aber auch mehr gelacht wird als je zuvor. Wenn Menschen mit systemrelevanten Berufen sich trotz ihrer momentan enorm kräftezehrender Arbeit so viel Zeit für das Gebet und die persönliche Besinnung nehmen wie noch nie im Leben und darin Stärkung finden. Wenn Menschen an Ostern auf dem Balkon Kirchenlieder musiziert und ihre Osterfreude anderen weitergeschenkt haben. Wenn die VerkäuferInnen an den Tagen vor Ostern besonders freundlich waren und ihre Festfreude spürbar geteilt haben.

Das alles sind beispielhafte Erfahrungen, die einige von euch/ Ihnen gemacht und mir geschrieben haben. Es sind Ostererfahrungen mitten in unserem noch auf längere Sicht mühsamen und belastenden Alltag. Sie wahrzunehmen ist eine Frage der Aufmerksamkeit und ermöglicht uns Lichtblicke in eher düsteren Stunden. Ich lade also ein, auf die vergangenen Wochen zurückzuschauen und solche Lichtblicke aufzuspüren.

So wünsche ich mit einem Gebet des Gründers der Gemeinschaft von Taizè,  Frère Roger Schutz, einen gesegneten Weg durch die zweite Hälfte des Ostertags (die Osterwoche wird ja kirchlich als ein einziger Tag betrachtet, der acht Tage dauert),

Michael Rosenberger

Christus, du hältst einen Schatz des Evangeliums bereit,

du legst in uns eine einzigartige Gabe,

die Gabe, dein Leben um uns zu verbreiten.

Doch damit deutlich wird, dass das helle Strahlen

von dir und nicht von uns ausgeht,

hast du diese unersetzliche Gabe in Tongefäße gelegt,

in die Herzen von Armen,

kommst du in die Zerbrechlichkeit unseres Daseins,

um dort zu leben, dort und nirgendwo sonst.

Ohne dass wir wüssten wie,

machst du uns, die wir hilflos und verletzlich sind,

zur Herrlichkeit deiner Gegenwart

mitten unter den Menschen.

(Roger Schutz)

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