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Pilgern durch die Coronakrise - 25. April 2021

Liebe österlich Pilgernden, soeben komme ich zurück von einer wunderschönen Radtour quer durch das Mühlviertel bis fast hinauf zur tschechischen Grenze. Bei herrlichem Wetter war das ein Genuss, und dabei brauchte ich nur wenig Straße fahren, weil es so unendlich viele asphaltierte „Güterwege“ gibt, die die einzelnen Bauernhöfe miteinander verbinden.

Wenn man sich auskennt, sind sie ein Paradies für RadfahrerInnen. Auf dem Rückweg habe ich noch ein Mariazell-Pilger-Ehepaar besucht und auf ihrer Terrasse Kaffee und Kuchen genossen. Auch unter Beachtung aller Corona-Regeln ist manches möglich!

Sicher haben die meisten mitbekommen, dass gestern über die etwa 50 SchauspielerInnen, die unter den Hashtags #allesdichtmachen, #niewiederaufmachen und #lockdownfürimmer gegen die Corona-Politik protestiert haben, ein wahrer Shitstorm hereinbrach (abgesehen vom Applaus der politischen Rechten, den die 50 aber wahrlich nicht wollten). Und nicht ganz zu Unrecht, denn zumindest jene Videos, die ich gesehen habe, überschreiten deutlich die Grenzen des guten Geschmacks. Gute SchauspielerInnen sind also nicht automatisch auch gute DrehbuchschreiberInnen und gute RegisseurInnen. – Das Beispiel zeigt, dass nicht so sehr der Inhalt einer Meinungsäußerung entscheidend ist, sondern ihr Ton und Stil. Demokratie lebt vom Widerspruch – aber sie lebt auch vom gegenseitigen Respekt.

Leider wurde von einigen Tagen bekannt, dass das sogenannte „Tübinger Modell“, das aus weitgehenden Öffnungen mit gleichzeitig intensiven Testungen bestand, nicht funktioniert hat. Eine wissenschaftliche Evaluation durch die Universität Mainz https://www.macro.economics.uni-mainz.de/category/corona/ kam zu folgendem Schluss: „Unsere Rechnungen zeigen, dass die Zunahme bei der Inzidenz durch das vermehrte Testen zu einem nicht unbeträchtlichen Teil, aber nicht vollständig erklärt werden kann. Fazit: Das Tübinger Modell… führte zu einem messbaren, allerdings kleinen und tendenziell temporären Anstieg der Sieben-Tages-Inzidenz im Landkreis Tübingen.“ Der Modellversuch wurde daher abgebrochen.

Hoffnungsfroher stimmen da die Aussichten, die die österreichische Bundesregierung für die Zeit ab dem 17.5.21 angekündigt hat. Wenn ich mir auch ein schrittweises Öffnen gewünscht hätte, vertraue ich dem Votum der VirologInnen, die zu diesem Zweitpunkt ein Öffnen für möglich halten, wenn nicht noch etwas Unvorhergesehenes eintritt (z.B. eine neue gefährliche Mutation). Die Impfungen sind bis dahin ja schon wieder ein gutes Stück vorangeschritten und werden die Ausbreitung des Virus spürbar bremsen.

In der Reihe der Osterevangelien setze ich heute mit dem unmittelbar auf den Abschnitt der letzten Woche folgenden Evangelium fort:

Aus dem Evangelium nach Johannes

20, 11 Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein. 12 Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten. 13 Diese sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen und ich weiß nicht, wohin sie ihn gelegt haben. 14 Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war. 15 Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast! Dann will ich ihn holen. 16 Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und sagte auf Hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister. 17 Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott. 18 Maria von Magdala kam zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie berichtete, was er ihr gesagt hatte.

Viel liebevoller und einfühlsamer kann man das Ostergeschehen nicht erzählen als der vierte Evangelist es in dieser Geschichte tut! Maria Magdalena, jetzt ganz alleine, steht am Grab und weint. Ihren ganzen angestauten Schmerz lässt sie heraus, und das darf so sein! So berührend sind ihre Tränen, dass selbst die Engel Mitleid haben und erst einmal nur fragen: „Warum weinst du?“ Diese Frage signalisiert Mitgefühl und Verständnis und schafft einen Raum des Vertrauens. So kann Magdalena ihr Herz ausschütten.

Da stellt noch ein anderer dieselbe Frage – er steht hinter ihr, und Maria muss sich umdrehen, um ihn zu sehen. Sie schaut zu ihm – doch sie erkennt ihn nicht. Wiederum schüttet sie ihr Herz aus und bittet um Hilfe. Doch dann spricht Jesus ihren Namen aus – und schlagartig ist ihr alles klar. ER steht vor ihr, ihr Meister und Herr.

Ich vermute, wir alle können diese Geschichte sehr gut nachvollziehen: Nicht immer erkennen wir einen Menschen an seinem Gesicht oder seinem Aussehen. Manchmal braucht es eine Geste, um jemanden zu erkennen; manchmal müssen wir erst beobachten, wie jemand geht, und erkennen ihn am Gang; und manchmal ist es der Klang der Stimme oder ein bestimmtes Wort, das jemand sagt und das uns ihn erkennen lässt. Maria ist so ein „Ohrenmensch“. Insofern ist der Schlusssatz des Evangeliums eigentlich falsch. Nicht „Ich habe den Herrn gesehen“ sollte er lauten, sondern „Ich habe den Herrn gehört“! Hier schließt der Evangelist, der selber ein „Augenmensch“ ist, von sich auf die andere…

Obwohl der Auferstandene nicht körperlich erscheint, können wir Menschen ihn nur über unsere Sinne erfahren. In irdischen Sinneswahrnehmungen leuchtet der österliche Christus auf. In einem guten Wort, das jemand zu uns spricht. In einem Lächeln, das uns zugedacht ist. In einem sanften Streicheln oder einer Umarmung. Im gemeinsamen Essen und Trinken. So gesehen ist es fantastisch, dass wir fünf Sinne haben und nicht nur einen. JedeR von uns hat einen anderen Sinn, der sensibler und feinfühliger ist als die anderen vier. Aber jedeR hat wenigstens einen Sinn, mit dem er oder sie Gott selber spüren und erfahren kann. Für den Lieblingsjünger war es der Sehsinn, für Magdalena der Hörsinn. Und für mich?

Am Schluss fordert der Auferstandene von Magdalena etwas ganz Großes: Halte mich nicht fest! – Das ist eine fast übermenschliche Forderung – wo sie ihn doch so sehr liebt! Wie gern würde sie ihn für den Rest ihres Lebens bei sich haben! Doch sie muss ihn loslassen, darf ihn „nur“ noch im Herzen mit sich tragen. – Auch wir können die größten Gottesbegegnungen unseres Lebens nicht festhalten. Sie dauern einen Moment, ein paar Stunden oder Tage, aber dann sind sie vorüber. Es gilt, sie im Herzen lebendig zu bewahren, sich immer wieder an sie zu erinnern und aus der Erinnerung Kraft zu schöpfen. Sie sind Geschenke fürs Leben und können uns einen langen Atem verleihen.

Dass wir unsere Ostererfahrungen nicht vergessen, sondern uns von ihnen antreiben lassen, anderen etwas davon weiter zu schenken wie Magdalena, wünscht Ihnen/ euch,

Michael Rosenberger