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Pilgern durch die Coronakrise - 3. März 2021

Liebe Wanderer in fremden Ländern,
 
am heutigen Mittwoch der zweiten Fastenwoche findet der römische Stationsgottesdienst in der Kirche Santa Cecilia statt. Diese frühchristliche Kirche in Trastevere wurde in der Barockzeit umgestaltet und bei dieser Gelegenheit auf halber Höhe ein barockes Gewölbe eingezogen. Über diesem befindet sich an der Westwand ein wundervolles, farbenfrohes Fresko des Jüngsten Gerichts aus dem Hochmittelalter. Man kann es seit der Barockisierung nur noch sehen, wenn man in den Dachboden der Kirche steigt, was nur einmal pro Woche für eine Stunde möglich ist. Es ist gleichwohl eines der schönsten Fresken Roms. – Die hl. Cäcilia, die Patronin der Kirchenmusik, gibt mir die Gelegenheit, wieder einmal allen kirchenmusikalisch Aktiven einen besonderen Gruß zu schicken. Vor einigen Tagen wurde eine Erhebung veröffentlicht, die zeigte, dass kaum ein Kirchenchor seine Aktivitäten nach der Corona-Zeit beenden bzw. nicht wieder aufnehmen möchte. Die Treue der SängerInnen und InstrumentalistInnen scheint außerordentlich hoch zu sein – ein hoffnungsvolles Zeichen!
 
In den letzten Wochen ist eine eigenartige Situation eingetreten: Einerseits jammern alle darüber, dass die Impfungen so langsam vonstattengehen. Andererseits bleibt der Impfstoff von Astra Zeneca massenweise in den Kühlschränken der Impfzentren liegen, weil viele Menschen das Nicht-Geimpft-Sein dem Geimpft-Sein mit diesem Impfstoff vorziehen. Das ist eine für die Gesamtentwicklung fatale Situation. Denn jede liegengebliebene Impfung treibt die Infektionszahlen in die Höhe und verlängert den Lockdown. Schon allein deswegen, also im Blick auf das Gemeinwohl, können wir uns dieses Verhalten absolut nicht leisten.
 
Es ist aber auch individuell betrachtet ziemlich unklug, sich nicht impfen zu lassen, nur weil es sich um Astra Zeneca handelt. Viele haben offensichtlich die Zahlen nicht richtig verstanden, die in den Medien genannt werden, und daran tragen die Medien eine nicht geringe Mitschuld, weil diese Zahlen nicht ganz einfach zu verstehen sind und eine Erklärung brauchen. Die wichtigste Zahl lautet: Während die Impfstoffe von BionTech und Moderna eine 95-prozentige Wirksamkeit haben, hat der Impfstoff von Astra Zeneca nur 70 bis 75 Prozent Wirksamkeit. Aus dieser Aussage schließen viele, dass sie nach der Impfung mit Astra Zeneca ein 25-prozentiges Risiko behalten, an Corona zu erkranken, und das ist ihnen eindeutig zu hoch. – Allerdings ist diese Schlussfolgerung verkehrt, denn sie missversteht den Begriff der Wirksamkeit.
 
Machen wir also wieder einmal einen Ausflug in die Welt der Mathematik. Nehmen wir an, der Impfstoff wird an 2000 Menschen getestet, und die Gegenprobe wird mit 2000 anderen Menschen gemacht, die eine ungefährliche, aber wirkungslose Kochsalzlösung gespritzt bekommen. Von den 4000 Personen weiß niemand, ob er oder sie den Impfstoff oder die Kochsalzlösung bekommen hat. Auch die verabreichenden ÄrztInnen wissen das nicht. Man nennt das „Doppel-Blind-Versuch“: Weder die ProbandInnen noch die ÄrztInnen wissen über die Art der Flüssigkeit Bescheid – nur ein Team im Hintergrund, das mit diesen beiden Gruppen keinen persönlichen Kontakt hat, kann die Personen den Flüssigkeiten zuordnen. So lassen sich Manipulationen ebenso ausschließen wie der sogenannte Placebo-Effekt, also die Macht der Einbildung (die im Schnitt der meisten Medikamente immerhin 25 Prozent Wirksamkeit erreicht!).
 
So, und nun zum Ergebnis der Studien: Von den 2000 Personen mit der Kochsalzlösung erkrankten im Beobachtungszeitraum 20 an Corona. Von den 2000 Personen mit dem BionTech oder Moderna-Impfstoff erkrankte eine und von 2000 Personen mit dem Astra Zeneca-Impfstoff fünf Personen. Eine Person im Vergleich zu 20 Personen sind 95 Prozent Wirksamkeit, weil 19 von 20 gesund blieben, also 95 Prozent. Fünf im Vergleich zu zwanzig sind 75 Prozent Wirksamkeit, weil 15 von 20 Personen gesund bleiben. So entstehen die genannten Zahlen. Die Wahrscheinlichkeit, nach der Astra Zeneca-Impfung zu erkranken, ist also zwar höher als mit den anderen Impfstoffen, aber gleichwohl massiv gesunken und insgesamt sehr niedrig (2,5 Promille statt 1 Prozent). Und jetzt kommt die Schachbretterzählung wieder ins Rennen, die ich im Rundbrief Nr. 51 erzählt habe: Wenn viele mit dem Astra Zeneca Impfstoff geimpft sind, verstärkt sich der grundsätzlich schon sehr positive Effekt weiter, weil die Übertragungsraten des Virus exponentiell sinken. Im Versuch waren die 2000 geimpften Personen ja über ganz Brasilien verstreut, und vermutlich sind sich keine zwei von ihnen begegnet. In der jetzigen Realität begegnen sich aber immer öfter zwei geimpfte Menschen. Und dann sinkt das Risiko auch bei Astra-Zeneca-Geimpften weiter, infiziert zu werden. Die Impfung wirkt gleichsam so wie zehn übereinander getragene Masken und fünf Meter Abstand. Da ist das Virus schnell besiegt.
 
Das ist aber erst die halbe frohe Botschaft. Die andere Hälfte lautet: Würde man 100.000 Menschen die Kochsalzlösung spritzen, würden (mit den derzeitigen Schutzmaßnahmen in Deutschland und Österreich) innerhalb eines Jahres ungefähr 100 an Corona schwer erkranken oder sterben. Würde man hingegen 100.000 Menschen mit Astra Zeneca impfen, würden noch ungefähr eine (!) Person von ihnen schwer an Corona erkranken oder sterben. Das ist dieselbe Erfolgsquote wie bei BionTech oder Moderna. Die Wirksamkeit gegen schwere Verläufe oder einen tödlichen Ausgang liegt bei ALLEN zugelassenen Impfstoffen bei über 99 Prozent. 
 
Also: Unter dem Strich haben Astra Zeneca Geimpfte ein geringes Restrisiko, sich zu infizieren und leichte Krankheitssymptome zu entwickeln. Einen Schnupfen, Kopf- oder Gliederschmerzen, eine etwas erhöhte Temperatur. Aber nur eine von 100.000 geimpften Personen wird noch im Krankenhaus landen oder gar sterben – völlig unabhängig von der Impfstoff-Marke. In Oberösterreich, wo Stand heute etwa 40 Prozent der über 80-Jährigen geimpft sind, kann man den Erfolg schon sehen. Die Zahl hochbetagter Corona-PatientInnen in den Krankenhäusern hat sich bereits jetzt auf ein Viertel reduziert.
 
Es gibt also wahrlich allen Grund, froh und dankbar zu sein, wenn uns eine Impfung angeboten wird, egal von welchem Hersteller. Und es schadet sowohl einem selbst als auch der Allgemeinheit, wenn man die Impfung nur auf Grund des Impfstoff-Typs ablehnt. 
 
In diesem Sinne wünsche ich allen ein zuversichtliches und offenes Zugehen auf den Tag der Impfung. Herzlich grüßt
 
Michael Rosenberger

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