V / A Unser Vater im Himmel
Vater aller, die dich suchen und nicht suchen
Vater aller, die auf dich zugehen und sich von dir abwenden
Vater aller, die dich ansprechen und vor dir stumm bleiben
Vater aller, die mir sympathisch sind oder auch nicht
Vater jedes Menschen; und jeden liebst du mit unaussprechlicher Liebe
Vater, der uns alle zur großen Familie macht
... und auf Erden, wo wir geboren werden und sterben
... und auf Erden, wo wir lachen und weinen, lieben und hassen
... und auf Erden, wo wir dich so oft vergessen
V/A geheiligt werde dein Name
im Blühen der Bäume und im satten Grün der Wiesen
im freundlichen Lächeln eines Menschen
durch unsere tägliche Arbeit im Beruf und Haushalt
durch die Art, wie wir beten und Gottesdienst feiern
durch die Art, wie wir unseren Glauben leben und über dich reden
wenn wir uns um ein gutes Klima daheim und am Arbeitsplatz mühen
wenn wir segnen, statt zu fluchen, loben statt zu schimpfen
wenn wir dummes Gerede über deine Kirche zurecht rücken
V/A Dein Reich komme
in unsere Welt der Supermärkte und Computer
in das weltweite Netz der Informationen und Nachrichten
in unsere Häuser, Familien, Schulen und Kindergärten
auf unsere Straßen und an unsere Arbeitsplätze
in unsere Begegnungen und Gespräche
wo Kummer und Sorgen, Angst und Not zuhause sind
wo Menschen gefangen und geschändet werden
wo Menschen in ihren engen Denkbahnen gefangen sind
V/A Dein Wille geschehe
wenn wir uns zwischen mehreren Möglichkeiten entscheiden müssen
wenn es uns schwer fällt, eine Situation anzunehmen
wenn plötzlich alles anders kommt als erwartet
wenn wir Angst haben, zu sagen oder zu tun, was richtig ist
wenn wir gar nicht wissen, was du uns sagen willst
wenn unser krankhafter Eigenwille uns lähmt
wenn Andere uns ihren Willen aufzwingen wollen
in unserer Wirtschaftswelt und Wegwerfwelt
in unserer globalisierten Welt des Geldes
V/A Unser tägliches Brot gib uns heute
Viele haben nicht das Notwendigste zum Leben
Bewahre uns vor Hungersnot und Verarmung
Wir leben nicht nur vom Brot, sondern von jedem guten Wort
Wir leben von deinem Wort und deinen Weisungen
Gib uns Hunger nach dem eucharistischen Brot des Lebens
Wir brauchen Anerkennung und Ermutigung
Wir brauchen den täglichen Frieden und ein gutes Arbeitsklima
Wir brauchen Geborgenheit und Freiheit
Wir brauchen den Mut, unseren Wohlstand weltweit zu teilen
V/A Vergib uns unsere Schuld
Unsere Undankbarkeit und Unzufriedenheit
Unsere Habsucht und Unersättlichkeit
Unsere negativen Gedanken und Gefühle
Unser schlechtes und unnötiges Reden über Andere
Die anhaltende Spaltung, das Unversöhntsein der Christen
Den Missbrauch an Kindern und Jugendlichen – auch in unseren Kirchen
Wenn wir uns entziehen wollen, wo wir gebraucht werden.
Wenn wir herrschen wollen, statt zu dienen.
Wenn unser Versagen uns lähmt.
Wenn wir vergessen haben, anstatt uns zu erinnern.
V/A Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern
Vergib uns die Enttäuschungen, die wir Anderen bereiten
Vergib uns den Schaden, den wir Anderen zufügen
Vergib uns die Verletzungen, die wir Anderen zufügen
Vergib uns die Zumutungen, mit denen wir Andere überfordern
Vergib uns die Entgleisungen, mit denen wir andere vor den Kopf stoßen
Vergib uns die Berechnung, mit der wir Andere über den Tisch ziehen
Vergib uns die Verleumdung, die den guten Ruf der Anderen schädigt
Vergib uns die Vorurteile, die uns blind machen
V/A Führe uns nicht in Versuchung
mehr sein oder gelten zu wollen als der Andere
dem Neid und der Eifersucht Raum zu geben
die Treue zu unserem Jawort aufzuweichen
über Andere herzuziehen oder Ungeprüftes nachzusagen
uns zu überschätzen und das Maß zu verlieren
in Selbstmitleid, Trübsinn und Resignation zu verfallen
unsere gläubige Zuversicht wegzuwerfen
V/A Erlöse uns von dem Bösen
Lass uns nicht in die Fallstricke des Bösen geraten
Hilf uns mit Entschiedenheit das Gute zu tun
Entlarve den Widersinn ungerechter Strukturen
Befreie uns aus Süchten und unguten Abhängigkeiten
Durchbreche die Kettenreaktionen von Gewalt und Terror
Lass uns leben in Frieden und Sicherheit
Führe uns von einer Kultur des Todes zu einer Zivilisation der Liebe
V/A Dein ist das Reich
Nicht wir werden das Paradies auf Erden schaffen
Nicht unsere eigene Ehre wollen wir suchen
Nicht uns gehört die Erde
Nicht wir machen die Gesetze der Natur
Nicht in unserer Hand liegt unser Leben
Nicht wir haben über Leben und Tod zu bestimmen
Wir sind eingeladen zum ewigen Fest bei dir
V/A Dein ist die Kraft
Deine Kraft kommt in unserer Schwachheit zur Vollendung
Deine Kraft geht alle unsere Wege mit
Deine scheinbare Ohnmacht ist stärker als wir
Deine Kraft sprengt Grenzen und Mauern
Gebete haben eine größere Wirkung als Raketen
Im Kreuz deines Sohnes ist der Sieg über den Tod
Du trägst uns über alle Abgründe hinweg
Dein Geist kann Großes durch uns wirken
V/A Dein ist die Herrlichkeit
Sie übersteigt alle Vorstellungen und Erwartungen
Die Liebe wird am Ende alles überdauern
Wir werden über alle Maßen glücklich sein
Wir werden schauen und staunen, lieben und loben
Mit all deinen Geschöpfen beten wir dich an, Vater.
Pfr. Josef Treutlein
